Breite Allianz gegen Raubbau an Naturjuwelen in Tirol
Umweltorganisationen, Sportverbände und Bürgerinitiativen weisen im Vorfeld des ersten Tiroler Naturschatzfestes auf die Bedeutung des Naturschutzes hin.
Innsbruck – Heftige Kritik an der Tiroler Landesregierung kommt von den Österreichischen Umweltorganisationen. „Es ist fünf vor zwölf für die Zukunft einiger unserer schönsten Naturjuwelen“, so der Tenor. WWF, der Österreichische Alpenverein, die Naturfreunde und der Raftingverband Tirol sind entschieden gegen die Novellierung des Tiroler Naturschutzgesetzes.
Ernüchterungsgefühl und Wasserkraftsausbau
Die Naturschutzorganisationen zeigen sich vor allem von den Tiroler Grünen enttäuscht. War letztes Jahr zu Eintrittsbeginn der Grünen in die Tiroler Landesregierung noch eine Aufbruchsstimmung bemerkbar, habe sich dieses Gefühl mittlerweile in „kollektive Ernüchterung“ gewandelt. „Wir sehen schwarz, wenn es um die Naturschätze Tirols geht“, fasst Christoph Walder, Leiter des WWF Tirol, die trübe Stimmung zusammen. Für die Verbände sind nicht alle Veränderungen negativ, sie begrüßen etwa den Plan die Fließstrecke des Inns kraftwerksfrei zu halten, allerdings sind die wesentlichen Entscheidungen der Landesregierung zu Ungunsten des Naturschutzes ausgegangen.
Als besonders fatal wird der Wasserkraftsausbau gesehen: Rund sechzig Projekte warten aktuell auf eine Genehmigung, viele sind umstritten und verstoßen gegen das Tiroler Naturschutzgesetz. „Es ist unverständlich und inakzeptabel, dass die Schwarz-Grüne Landesregierung bereit ist das Naturschutzgesetz den TIWAG-Projekten anzupassen statt dafür Sorge zu tragen, dass die Projekte des Landesenergieversorgers dem Gesetz entsprechen“, erklärt Walder.
Nachsichtige alpine Raumordnung gefordert
Der Alpenverein fordert eine nachsichtige alpine Raumordnung anstatt der herrschenden „Goldgräber-Mentalität“. Schutzgebiete sollten gesichert, unerschlossene Räumen sollten geschützt werden. „Nur durch natur- und umweltverträgliches Handeln in Wirtschaft und Tourismus gelingt es die natürlichen Lebensgrundlagen in den Alpen zu erhalten“, erklärt Gerald Aichner, Vorsitzender des Landesverbandes Tirol des Alpenverein. Die Ausbaupläne des Ruhegebiets der Kalkkögel erregen die Gemüter der Organisationen: „Vor über 30 Jahren wurde hier eine Ruhezone zwischen lifttechnischen Erschließungen geschaffen, um im Nahebereich der Landeshauptstadt eine wilde und ursprüngliche Bergwelt zu erhalten. Und dabei soll es auch bleiben“, fordert Leopold Füreder, Obmann der Naturfreunde Tirol.
Naturschatzfest in Innsbruck
Am Samstag ab 16:00 Uhr laden 20 Naturschutz-Organisationen zum ersten Tiroler Naturschatzfest am Martktplatz in Innsbruck. Neben einem Fest für die Familie soll vor allem die Natur im Mittelpunkt stehen. Im Zentrum des Festes steht das Naturerlebnis: Die Naturschutzorganisationen präsentieren Tiroler Naturschätze.
Zahlreiche Mitmachstationen werden angeboten, vom Infozelt bis zur Kletterwand und Hüpfburg. Die Jugendgruppe des WWF YTAE lädt zum Flashmob ein um alpine Lebensräume virtuell entdecken zu können. Für Musik sorgt Bluatschink mit einem Kinderkonzert am Nachmittag und einem Abschlusskonzert mit Zabine ab 22:00 Uhr. Für das leibliche Wohl sorgen Spezialitäten aus der Region.
Den Gruppen ist neben der Wahrung der Berge auch die der Flüsse wichtig. „Wenn dem Inn und seinen Nebenflüssen Ötztaler Ache oder Sanna durch Großprojekte wie z.B. das GKI das Wasser entzogen wird, geht dem Tiroler Oberland wichtige regionale Wertschöpfung im Ausmaß von 38 Millionen Euro pro Jahr verloren. Dieser Tourismus der Nachhaltigkeit, der sich über 30 Jahre lang etabliert hat, würde zur Gänze aussterben, und damit verbunden die Arbeitsplätze und das Jobangebot für junge Menschen“, warnt Marcel Pachler, Obmann des Tiroler Raftingverbandes.
Die Isel in Osttirol erregt seit geraumer Zeit die Gemüter der Umweltorganisationen und der Politik Tirols. Der Wildwasserfluss und seine Nebenflüsse soll nach Plan der Landesregierung, fünfzehn regionale Kraftwerke bedienen. Wolfgang Retter, Obmann des Landschaftsschutzvereins Osttirol, kritisiert die Vorhaben aufs Schärfste: „Wir haben jetzt die historische Gelegenheit, Osttirol mit einer fachlich fundierten Ausweisung des Natura 2000-Gebiets ‚Gletscherflusssystem Isel und Nebenflüsse‘ als Modellregion zu etablieren. Anstatt diese Chance wahrzunehmen, laufen die Bürgermeister der betreffenden Gemeinden nun schon seit Monaten Sturm gegen eine Unterschutzstellung des Gebiets. Sie ignorieren dabei, dass es im Tiroler Lechtal seit der Einführung von Natura 2000 wirtschaftlich kontinuierlich aufwärts gegangen ist.“ (TT.com)
Kommentare