Windkraft treibt Regelenergiekosten hoch - Systementgelte steigen

Wien (APA) - Um die Netze trotz immer höherer Erzeugung von volatilem Solar- und vor allem Windstrom stabil zu halten, steigt der Kostenaufw...

Wien (APA) - Um die Netze trotz immer höherer Erzeugung von volatilem Solar- und vor allem Windstrom stabil zu halten, steigt der Kostenaufwand. Dies erfordert nun für Anfang 2015 eine Anhebung der Systemdienstleistungsentgelte - sie sollen um gut die Hälfte auf 0,251 Cent je kWh steigen, sieht ein Begutachtungsentwurf des Regulators vor. Allerdings steuert die E-Control hier ohnedies schon gegen.

Die gesamten Kosten für Regelreserve, die dafür sorgt, dass Stromerzeugung und -verbrauch zu jedem Zeitpunkt in Balance sind, erhöhte sich in Österreich im Vorjahr um fast ein Zehntel von 157 Mio. auf über 170 Mio. Euro - für 2014 ist mit einem weiteren starken Anstieg zu rechnen, so E-Control-Vorstand Martin Graf im APA-Gespräch: „Die abgerufenen Regelenergie-Mengen nehmen zu. Das sind die Kosten der Energiewende.“ Auf die Stromkunden hätten die derzeit in Konsultation befindliche Entgeltanhebung per 1.1.2015 aber keine direkten Auswirkungen.

Derzeit haben die höchste Priorität folgende drei Möglichkeiten, die wachsenden Kosten einzudämmen, so Graf: Erstens mehr Teilnehmer in den Markt zu bekommen und somit einen liquideren Regelenergiemarkt zu schaffen; zweitens das Marktgebiet durch internationale Kooperationen zu vergrößern und drittens aktuellere Wind-Prognosen für die kurzfristigen Einsätze für die Vermarktung der Windräder zu verwenden, um Prognoseabweichungen nicht über Ausgleichsenergie, sondern an kurzfristigen Märkten wie intraday auszugleichen.

„Gerade die kurzfristige Vermarktung soll die Kostenentwicklung, die durch volatile Erzeugung verursacht wird, eindämmen, da der Preisunterschied zwischen dem intraday-Markt und dem Regelenergiemarkt enorm ist“, so Graf weiter. Die OeMAG hat nunmehr eine Ausschreibung durchgeführt und sollte in wenigen Monaten bereit sein, diese weiteren Optimierungen durchführen zu können. Hintergrund des Bedarfs einer besseren Vermarktung: Die Kraftwerks-Fahrpläne müssen am Vortag stehen, oft kommt der Wind aber Stunden später oder früher als prognostiziert - die Prognoseabweichung wäre bei kürzerem Vorlauf geringer.

Um mehr Akteure in den Markt zu bekommen, sollen etwa künftig auch Pool-Anbieter mitmachen können, sogenannte „virtuelle Kraftwerke“, es ist auch die Einbindung von Verbrauchern möglich. Dafür habe der Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid AG als Regelzonenführer bereits die technischen Anforderungen für eine Teilnahme überarbeitet, hier sei in den nächsten Monaten mit weiteren Markteintritten - auch von sogenannten Aggregatoren - zu rechnen. Derzeit gebe es nur wenige Marktteilnehmer am heimischen Regelenergiemarkt, bezahlen müssten das Entgelt aber alle Kraftwerke über 5 MW Leistung. „In Deutschland bieten immer stärker auch Erneuerbare Energien im Regelenergiemarkt an, das ist sicherlich eine zukünftige Vermarktungsmöglichkeit für die Windkraftbranche“ erläutert Graf. Neben Erzeugern sollen zukünftig aber auch Verbraucher von der Industrie bis zum Haushalt verstärkt auf diesem Markt aktiv werden können - die E-Control hat hierfür die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen.

Auch durch internationale Kooperationen und eine Integration von bisher nationalen Märkten können die Regelenergie-Kosten eingedämmt werden. Dazu arbeite Österreich schon seit über einem Jahr mit der Schweiz zusammen, mit Slowenien werde ebenfalls schon ein Ausgleich über die Grenze vorgenommen. Auch mit den deutschen Übertragungsnetzbetreibern werde kooperiert, damit würden große abgerufene Mengen an Sekundärregelenergie verhindert und die Kosten gemindert. Graf: „All diese internationalen Kooperationen haben bereits über 30 Mio. Euro Einsparung bei der Regelreserve gebracht. Dies ist sicherlich auch dem großen Engagement der APG zu verdanken, denn sonst wären die Tarife in Summe um diesen Betrag höher.“

Durch das Systemdienstleistungsentgelt werden dem Regelzonenführer jene Kosten abgegolten, die sich aus dem Erfordernis ergeben, Lastschwankungen im Netz durch Regelenergie auszugleichen. „Die Abdeckung der Kosten der APG ist gesetzlich geregelt“, so Graf. Die Höhe des Entgelts - zur Zeit noch 0,163 Ct/kWh - bestimmt die Energie-Control Austria gemäß der Systemnutzungsentgelt-Verordnung (SNE-VO). Die steigenden Kosten werden laut Gesetz zu 78 Prozent auf die Erzeuger mit einer Leistung von mehr als 5 MW verteilt, der Rest wird auf die Bilanzgruppen umgelegt.

~ WEB http://www.e-control.at ~ APA198 2014-10-24/11:11