Wintersport

Ein Quintett hat Großes im Auge

Fünf Damen, ein Ziel: Mit dem Riesentorlauf in Sölden (9.30/12.45 Uhr, live ORF eins) beginnt zugleich der lange und steinige Weg zur großen Kristallkugel. Das Favoriten-Quintett fährt heute um den Auftaktsieg mit.

Von Roman Stelzl und Max Ischia

Sölden –Selbst in Österreichs flächenmäßig größter Gemeinde mit rund 466 km2 finden die Ski-Stars an diesem Wochenende nur schmale Wege vor. Zwischen Hundertschaften von Fans, Autogrammjägern und Journalisten klappern Fenninger, Hirscher und Co. Termin um Termin ab. Das Interesse, die Lust, die Gier ist groß vor dem Weltcup-Auftakt im Ötztal. Zeit also, um heute (9.30/12.45 Uhr, live ORF eins) das Starthaus auf 3043 Höhenmetern für die weibliche Garde zu öffnen – und im Riesentorlauf den Kampf um die große Kristallkugel in Gang zu bringen. Und das mit allen Favoritinnen.

1. Anna Fenninger (AUT): Gesamtweltcup-Sieg, Olympia-Gold im Super-G und seit Donnerstag den Ski-Oscar für die beste Athletin: Die größte Aufgabe für die 25-jährige Salzburgerin besteht derzeit darin, einen kühlen Kopf zu bewahren. Mit den Erwartungen umzugehen. Und trotz Erfolg und Andrang nahtlos an das Vorjahr anzuknüpfen. Die Motivation ist gefragt, ist nach WM-Gold von 2011 (Superkombination) nahezu alles in der Karriere erreicht. Ablenkung gab es wiederum nur beim Kurzurlaub auf Bali im April mit Freund Manuel Veith. „Es schaut jeder auf mich, das merke ich. Aber das muss mir egal sein“, wiederholt Fenninger gerne. Das Sölden-Podest blieb der achtfachen Weltcup-Siegerin bisher verwehrt, 2013 war sie als Vierte allerdings nah dran: „Der Hang ist sehr schwierig. Damit hatte ich immer zu kämpfen.“

2. Lara Gut: Sieben Weltcup-Siege – um drei mehr als Fenninger – konnte die Schweizerin im vergangenen Winter einfahren. „Aber ich bin auch oft ausgefallen“, räumte die 23-Jährige ein, die den Blick ohnedies lieber nach vorne richtet. Dass sie sich, wie in einigen Schweizer Medien zu lesen war, auf Sölden mit speziellem Videostudio von Ted Ligety und Marcel Hirscher vorbereitet hätte, rang ihr nur ein mildes Lächeln ab. „Natürlich habe ich mir die beiden angesehen, aber viele andere Läufer und Läuferinnen auch. Das ist doch ganz normal.“ Und mit Sölden hätte das rein gar nichts zu tun gehabt. Die Erfahrungen mit dem Rettenbachferner sind gemischter Natur. Bei ihrer Premiere 2008 ist sie mit Startnummer 37 auf den fünften Rang gecarvt, schied im Folgejahr aus, konnte sich zweimal nicht im Spitzenfeld klassieren, war einmal verletzt, ehe ihr im Vorjahr der große Wurf gelang. Wenn die Sprache auf die große Kristallkugel kommt, zuckt die Blondine vielsagend mit den Achseln. „Ich denke nicht daran.“

3. Tina Maze (SLO): Vor ihrem 14. Antritt in Sölden ist die Siegerin von 2012 noch ein Fragezeichen. Die 31-jährige Slowenin gehört als Riesentorlauf-Olympiasiegerin stets zum engsten Favoritenkreis. Aber im vergangenen Winter kam sie nach ihrer Rekordsaison 2012/13 und dem Gewinn des Gesamtweltcups (2414 Punkte – 1043 mehr als Fenninger heuer!) nur schwer in die Gänge. Vieles wirkte lange Zeit verkrampft, ehe sie aber punktgenau in Sotschi mit zwei olympischen Goldmedaillen in die Erfolgsspur zurückfand. Für den Sommer hieß es heuer: abschalten, Sonne genießen und dann kräftig durchstarten. „Das war wichtig und hat mir richtig gutgetan.“ Seit dem Frühjahr steht der 23fachen Weltcup-Siegerin in ihrem eigenen Team („to aMaze“) mit Valerio Ghirardi ein neuer Trainer zur Seite. Freund und Coach Andrea Massi begleitet die Doppelweltmeisterin nach Trennungsgerüchten auch dieser Tage in Sölden.

4. Mikaela Shiffrin (USA): Im Slalom ist die 19-jährige Frohnatur das Maß aller Dinge: WM-Gold 2013 folgten Olympia-Triumph und die kleine Kristallkugel im Slalom. Shiffrin blickt aber voller Ehrgeiz weit über den Tellerrand hinaus und will bei Olympia 2018 gleich fünf Medaillen holen: „Ich weiß, dass das arrogant klingt. Das kannst du ruhig behaupten. Aber ich habe davon geträumt, um drei Uhr nachts nach meinem Olympiasieg. Und alle meinten: Oh mein Gott, sie ist verrückt!“ In Sölden war sie 2013 ebenso wie im Gesamtweltcup Sechste. Dazu kommen zwei Stockerlplätze im Riesentorlauf. Und einen neuen Plan für heuer gibt es auch: „Ich will im Super-G fahren! Aber keine Abfahrt. Es hängt davon ab, wie es im Riesentorlauf und Slalom läuft.“

5. Tina Weirather (LIE): Mit einem harten Rückschlag im Gepäck ging es für die 25-Jährige in den Sommer. Die von vier Kreuzbandrissen geplagte Athletin hatte mit zwei Weltcup-Siegen und neun Podestplätzen ihre beste Saison hinter sich, griff sogar nach der großen Kugel – wurde dann aber von einer Schienbeinverletzung zurückgeworfen und musste tatenlos aus Sotschi (Olympia) abreisen. „Das ist noch nicht verarbeitet, das war ein harter Brocken. Ich weiß nicht, ob ich das mit guten Ergebnissen kompensieren kann. Aber das ist meine Hoffnung“, knirschte die Tochter des Tiroler Weltmeisters Harti. Für Sölden setzt sich die Vorjahres-Fünfte Konstanz als primäres Ziel. „Ich möchte dort anknüpfen, wo ich war. Es soll so weitergehen wie bisher – und vielleicht sogar noch besser.“