EU-Klimaziele - UBA-Schneider: Wichtiges Signal, aber Wermutstropfen

Wien/Brüssel (APA) - Die vom EU-Gipfel beschlossenen Klima- und Energieziele werden von Jürgen Schneider, Klimaexperte des Umweltbundesamtes...

Wien/Brüssel (APA) - Die vom EU-Gipfel beschlossenen Klima- und Energieziele werden von Jürgen Schneider, Klimaexperte des Umweltbundesamtes (UBA) durchwachsen beurteilt: „Das Glas ist halbvoll“, sagte Schneider zur APA.

Die beschlossen Treibhausgasreduktion um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 sieht er positiv und als „sehr wichtiges Signal“ auch an die internationale Gemeinschaft hinsichtlich der Weltklimakonferenz 2015. Er ortet aber auch Wermutstropfen.

Wenn es die Einigung auf das 40-Prozent-Ziel bis 2030 nicht gegeben hätte, wäre das ein ganz schlechtes Signal gewesen, so Schneider. Auf dem Gipfel sei ein Rahmen gesteckt und die ersten Pflöcke eingeschlagen worden. Jetzt gehe es um die gesetzliche Umsetzung und da seien auch Sanktionen bei Nichteinhaltung vorgesehen, so Schneider im ORF-Mittagsjournal.

Das Ziel des Ausbaus der erneuerbaren Energien sei mit 27 Prozent - in Diskussion waren auch 30 Prozent - zu niedrig ausgefallen. Wichtig wäre auch ein Herunterbrechen auf die einzelnen Mitgliedsländer gewesen, so der Experte am Freitag zur APA. Dies wäre ein auch Hebel gegen den Ausbau der Kernenergie gewesen.

Das Energieffizienzziel von ebenfalls 27 Prozent sei „nicht ambitioniert genug“. Im Jahr 2020 werde aber eine mögliche Erhöhung auf 30 Prozent geprüft. Energieeffizienz sei ein wesentlicher Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen.

Das CO2-Reduktionsziel bezieht sich einerseits auf die vom Emissionshandel betroffenen Bereiche Großindustrie und Kraftwerke. Die nicht vom Handel mit Emissionszertifikaten (ETS/Emission Trading System) betroffenen Bereiche sind, Verkehr, Haushalte, Landwirtschaft und kleinere Unternehmen, hier gibt es mit Bezugsjahr 2005 unterschiedliche Ziele für die einzelnen Mitgliedsländer, abhängig auch von der Wirtschaftskraft der einzelnen Staaten. Österreich habe gegenüber 2005 die CO2-Emissionen bereits um rund 13 bis 14 Prozent reduziert. Die Tendenz sei richtig, die Anstrengungen müssten aber noch deutlich erhöht werden.

Möglichkeiten sieht Schneider unter anderem bei thermischer Sanierung von Gebäuden oder dem Austausch von Heizungssystemen hin zu erneuerbaren Energieträgern. Beim Verkehr müsse die Effizienz der Einzelfahrzeuge verbessert, der öffentliche Verkehr ausgebaut werden.