Europäische Literaturtage in Spitz starteten mit Workshops an Schulen
Spitz a.d. Donau (APA) - Die 6. Europäischen Literaturtage sind am Freitagabend im Schloss Spitz durch Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) off...
Spitz a.d. Donau (APA) - Die 6. Europäischen Literaturtage sind am Freitagabend im Schloss Spitz durch Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) offiziell eröffnet worden. Zuvor hatten die Autorinnen und Autoren Vea Kaiser, Gabriele Kögl, Marica Bodrozic, Brittani Sonnenberg, Judith Kuckart, Edo Popovic, Isabelle Kreitz und Mathias Enard Workshops an niederösterreichischen Schulen gehalten.
Im ORF-Landesstudio NÖ in St. Pölten war zudem zum Thema „Wie wird Europa meine Heimat“ ein E-Book-Projekt präsentiert worden, das Jugendliche aus zehn Ländern im Juli 2014 im Rahmen von „eljub - Europäische Literaturjugendbegegnungen“ zu selbstbestimmten Themen verfasst hatten. „Die in Europa einzigartige Kooperation ist auch im vierten Jahr sehr erfolgreich verlaufen und hat einen fixen Stellenwert in der niederösterreichischen Jugendförderung. Das Projekt wird im Jahr 2015 intensiv fortgesetzt werden“, betonte Landesrat Karl Wilfing (ÖVP).
Eine Diskussionsrunde zu E-Books und Self Publishing widmete sich neuen literarischen Publikationsformen, ein Round Table über aktuelle Tendenzen europäischer Gegenwartsliteratur zeigte einerseits länderübergreifende Gemeinsamkeiten auf (etwa evidente Schwierigkeiten des Buchhandels angesichts diverser Vertriebskonkurrenz), aber auch neue Trennlinien. So berichtete die slowakische Autorin Katarina Kucbelova, dass tschechische Literatur - noch - keiner Übersetzung ins Slowakische bedürfe, umgekehrt hingegen slowakische Bücher ins Tschechische übersetzt würden. Außerdem wurden Veränderungen des Leseverhaltens im Zeitalter von digitaler bzw. Online-Lektüre anhand von „Social Reading“-Phänomenen reflektiert.
Den beeindruckenden Abschluss des Eröffnungstages lieferten die aus Kroatien stammende und in Berlin lebende EU-Literaturpreisträgerin Marica Bodrozic, die aus ihrem Roman „Mein weißer Frieden“ las, und der russischsprachige Autor Andrej Kurkow („Ukrainisches Tagebuch“). „Nicht in den Kategorien der Feindschaft zu denken“, lautet das Plädoyer von Bodrozic als Quintessenz ihrer Auseinandersetzung mit Krieg und Unmenschlichkeit - ein Plädoyer, das in einem scheinbaren Paradoxon mündet: „Es ist schwerer zu leben als für irgendetwas zu sterben.“ Und zur Frage nach der Heimatlosigkeit: „Der Raum dazwischen ist ein guter Platz zum Denken.“
Unter der Leitung von Walter Grond und in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern will das Literaturhaus Europa den kulturellen Kooperationsgedanken in den kommenden Jahren intensivieren. Als virtuelle Begegnungsstätte und auch Veranstalter will die Initiative als Vernetzungszentrum fungieren. Sowohl die EU als auch das Land NÖ (über die Wachau Kultur Melk GmbH und die NÖ Festival und Kino GmbH) sind an diesem Projekt beteiligt.
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