Ski Alpin

Das weiße Sofa und die Sorge vor einer „Watschn“

Am heutigen Nationalfeiertag (9.30/12.45 Uhr) schlägt für die ÖSV-Herren die Stunde der Riesentorlauf-Wahrheit. Der letzte Sölden-Sieg durch Hermann Maier ist neun Jahre her . . .

Von Max Ischia

Sölden –Dass sich die rotweißrote Sieglosigkeit auf dem Rettenbachferner einer halben Ewigkeit nähert, ist Marcel Hirscher „komplett Banane“. Also völlig wurscht. Oder total egal. Dass er vor neun Jahren vor dem TV-Apparat gesessen ist, weiß er, als wär’s gestern gewesen: „Der Hermann hat den Ski damals im Flachen Richtung Ziel getreten, das war unglaublich.“ Genau in diesem Bereich hat der Salzburger in der Vorbereitung alle Hebel der Biomechanik in Kraft gesetzt. „Ich bin im Flachen schneller geworden. Die Geräte schieben mächtig an“, versichert er, um im nächsten Atemzug die Euphorie zu drosseln. „Vielleicht bin ich eine Sekunde vorne oder ich kassiere eine Drei-Sekunden-Watschn.“ Auch im Vorjahr dachte sich Hirscher, den Rückstand auf Sölden-Seriensieger Ted Ligety (USA) verringert bzw. aufgeholt zu haben, „dann kam alles anders“. So gesehen hat der Anna­berger seinen dritten Platz vom Vorjahr hinter Ligety und Alexis Pintu­rault (FRA) als „herbe Niederlage“ abgespeichert.

Ob sich die nun neun Jahre andauernde Durststrecke der österreichischen Herren mit dem jährlich größer werdenden Rummel im Vorfeld des Gletscher-Auftakts erklären lässt, will Hirscher nicht bestätigen: „Ich habe in Schladming (WM 2013, Anm.) gezeigt, dass ich dagegen resistent bin und mit der Herausforderung wachsen kann“, sagte er, räumte aber zugleich ein, dass er in solchen Situationen auf der Piste oft mehr mache, als nötig wäre. „Das wird im Laufe der Saison besser, weil man sich auch besser einschätzen kann.“

Wie es mit den ersten Rennschwüngen gewinnbringend funktioniert, weiß keiner besser als Ted Ligety. Der Riesentorlauf-Gigant aus Park City reiste mit der Gewissheit von drei Sölden-Triumphen in Folge an und gilt auch für die Wettanbieter als turmhoher Favorit. Der RTL-Weltmeister und Olympiasieger geht mit einer Quote von 2,0 ins heutige Rennen, gefolgt von Pinturault und Hirscher (je 7,0).

Und wenn Ligety am Freitagnachmittag zur traditionellen Autogrammstunde in ein Sölder Sportgeschäft lädt, muss Chef Bernhard Riml einen Tag ohne sein weißes Ledersofa im Büro auskommen. Seit Ligety 2007 erstmals auf den schneefarbenen Möbelstück Platz genommen hat, fragt er alljährlich bei Riml nach, ob es das Sofa schon noch gebe. Diesmal war’s nicht anders.

Und abergläubisch oder nicht – die Sölden-Bilanz des 30-Jährigen spricht Bände: 2007 Zweiter, 2008 Dritter, 2009 Zweiter, 2010 (wegen Nebels keine Wertung) und das Siegestriple 2011, 2012 und 2013.

Ein Riesentorlauf-Olympiasieger, der in seine 19. Weltcupsaison startet, heißt Benjamin Raich. Und der Pitztaler, der auf nahezu jedem Hang dieser Welt aufs Podest gecarvt ist, wartet just bei seinem Heimrennen noch immer auf die erste Stockerlplatzierung. „Ich tu’ mir prinzipiell etwas schwer, gleich am Saisonbeginn in Rennmodus zu kommen, aber, wenn alles passt, kann es auch hier noch mit dem Podest klappen.“

Neben dem Fieberbrunner Technikspezialisten Manuel Feller liegt der Tiroler Fokus auch auf den beiden Ötztaler Lokalmatadoren. Christoph Nösig (Längenfeld) bestreitet sein erstes Weltcuprennen nach seinem im Oktober 2013 zugezogenen Kreuzbandriss. „Eine Top-15-Platzierung wäre super.“ Für den Sölder Florian Scheiber (Nummer über 60) ist’s ein „perfektes Training“.