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Bei Maifest vom Tanzboden gekracht

Weil ein Brett nachgab, stürzten zwei Tänzerinnen bei einem Schützenfest von der Bühne und verletzten sich.

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Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Nicht das Strafgericht, sondern der zivilgerichtliche Bereich spiegelt eigentlich das normale Leben wider. Diesmal wurde zu Zivilrichter Michael Ortner jedoch ein Fall mit Seltenheitswert ans Landesgericht getragen.

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Klagte doch eine Besucherin des heurigen Maifests der Schützenkompanie Allerheiligen den Veranstalter auf Schmerzengeld- und Aufwandsentschädigung in der Höhe von 18.587 Euro. Grund: Sie und eine Bekannte waren beim beschwingten Tanz an einer Latte des Tanzbodens gestreift. Da das Brett deshalb jedoch sofort nachgegeben hatte, stürzten beide Tänzerinnen von der 60 Zentimeter hohen Bühne seitlich mit voller Wucht auf den Asphalt.

Während die „führende“ Tänzerin dabei eine schwere Gehirnerschütterung erlitten hatte („Ich weiß nicht, wie ich nach Hause gekommen bin“), fielen die Verletzungen der mitgerissenen Klägerin weit gravierender aus: Ein Ellenbogenbruch, eine schwere Armprellung, Knieabschürfungen und Einblutungen in die Schleimbeutel erforderten einen Monat Gips und etliche Wochen Krankenstand.

Rechtsanwalt Roland Seeger errechnete einen „gerechtfertigten Schadenersatz von knapp 19.000 Euro“. Schließlich habe die Bühne keinesfalls den erforderlichen Sicherheitsbestimmungen entsprochen. So wurde im heurigen Jahr die zum Tanz bestens geeignete Systembühne aus Stahl für die Musikgruppe errichtet, während sich die Tänzer umgekehrt auf der Holzbühne wiederfanden. Diese wäre zudem laut Anwalt Seeger mangelhaft ausgeführt gewesen, da das Brett am Seitenbalken nicht von innen, sondern von außen angenagelt war und somit Druck von innen sofort nachgeben musste.

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Beide Bühnen wurden übrigens von einer Gesellschaft der Stadt Innsbruck im Rahmen der Kulturförderung kostenfrei zur Verfügung gestellt und durch die IIG (Immobiliengesellschaft der Stadt Innsbruck) auch kostenfrei errichtet. Schützen-Anwalt Günther Egger entgegnete der Klage, dass die von der IIG errichtete Bühne für den Verein jedenfalls dem Stand der Technik entsprochen habe und die Veranstaltung mitsamt den Bühnen schließlich so auch genehmigt worden war.

Auf die Frage von Richter Ortner, ob beide Tänzerinnen bei dem Fest denn auch Alkohol getrunken hätten, antworteten beide ehrlich: „Ja freilich, lustig waren wir!“ Und im bayerischen Schritttanz wäre eben Bewegung. Spätestens hier musste sich Richter Ortner als volkstanztechnischer Laie zu erkennen geben und ersuchte die Damen im Gerichtssaal zur kurzen Vorführung. Neben Gekicher kam es zu Hüftgriffen und einer zarten Drehung auf Justizparkett.

Anwalt Seeger: „Wer bei einer Veranstaltung beispielsweise durch eine erhöhte Tanzbühne eine Gefahrenquelle schafft, muss auch dafür sorgen, dass die Besucher keinen Schaden erleiden. Die mangelhafte Tanzbühne widerspricht klar den Verkehrssicherungspflichten des Vereins!“ Eine Ansicht, die wohl auch auf der Seite der Schützen-Versicherung nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist. So einigten sich gestern beide Seiten in der Tanzbodensturz-Causa vorerst auf einen bedingten Vergleich. An die Verletzte könnte demnach gut die Hälfte der Klagsforderung ergehen.


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