Jeder zweite Tiroler will sich nicht weiterbilden

620 Anbieter für Erwachsenenbildung gibt es in Tirol. Forscherin Elke Gruber ortet Nachholbedarf in Sachen Bewusstseinsbildung.

Von Katharina Zierl

Innsbruck –Fast 50 Prozent der Tiroler äußern laut einer aktuellen Umfrage keine Weiterbildungswünsche. „Das ist schon bedenklich, wenn man sich die Entwicklung am Arbeitsmarkt anschaut“, sagt Erziehungswissenschafterin und Bildungsforscherin Elke Gruber. „Im Bewusstsein der Menschen ist noch zu wenig verankert, dass es wichtig ist, sich parallel zum Beruf weiterzubilden“, betont die Forscherin. Gruber leitete eine wissenschaftliche Erhebung, welche die aktuelle Situation der Tiroler Erwachsenenbildung zum Ergebnis hatte.

In einem 300 Seiten langen Bericht ist aufgelistet, wie es um die Bildungsmöglichkeiten bestellt ist. „620 Anbieter gibt es mit den Zweigstellen insgesamt. Weiße Flecken gibt es vor allem noch im Westen Tirols und im Bezirk Lienz“, bilanziert Landesrätin Beate Palfrader. Was die Teilnahme an Kursen angehe, würden die Tiroler immerhin über dem österreichweiten Durchschnitt liegen, betont Palfrader.

Für die Zukunft wichtig sei, „einen noch niederschwelligeren Zugang zu schaffen“, erklärt die Landesrätin. Außerdem müssten sich die Anbieter besser koordinieren. In Sachen Vernetzung ortet auch AK-Präsident Erwin Zangerl Nachholbedarf: „Es wäre beispielsweise zielführend, wenn es in den Gemeinden eine eigene Ansprechperson für diesen Bereich gebe. Ein Ausschuss allein ist zu anonym. Es braucht einen eigenen Bildungs-Gemeinderat, dem dieses Thema wichtig ist.“ Nur so könne man das Angebot auch im ländlichen Bereich verbessern, betont Zangerl.

Auf die große Bedeutung einer guten Aus- und Weiterbildung weist auch Landesrat Johannes Tratter hin: „43 Prozent der beim AMS als arbeitslos gemeldeten Personen haben maximal einen Pflichtschulabschluss. Nur 3,8 Prozent sind Akademiker. Diese Zahlen sprechen für sich.“ Laut Zangerl werde Erwachsenenbildung von vielen als „Second-Hand-Bildung“ wahrgenommen: „Das muss sich ändern.“

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Laut Forscherin Gruber stellt der Bereich der Erwachsenenbildung in Österreich den größten Bildungsbereich dar: „Er ist am ausdifferenziertesten und unterliegt der größten Dynamik.“ Es sei wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Gerade wenn man bedenkt, dass wir immer älter werden, braucht es eine Strategie, wie man das lebenslange Lernen am besten im Bewusstsein der Menschen verankern kann“, betont die Bildungsforscherin.


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