Escobar-Sohn: „Ich hätte Pablo Escobar 2.0 werden können!“

Juan Pablo Escobar Henao, Sohn Pablo Escobars, erzählt in seinem neuen Buch, welche Ratschläge ihm sein Vater gab. Vom Drogengeschäft solle er die Finger lassen.

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Juan Pablo Escobar Henao, Sohn von Pablo Escobar, stellt sein neues Buch vor.
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Bogota – Der Sohn des berüchtigten kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar ist nach eigenen Worten von seinem Vater schon in jungen Jahren gewarnt worden, in dessen kriminelle Fußstapfen zu treten. „Ich habe tausende Briefe von ihm aufgehoben, in denen er mir Ratschläge gab“, sagte Juan Pablo Escobar Henao. „Er hielt mich dazu an zu studieren, ein guter Mensch zu werden, mich von Drogen fernzuhalten.“

Kein Geschäft mit Drogen

Der einst meistgesuchte Drogenverbrecher der Welt habe sogar „seinen Gefolgsleuten mit dem Tod gedroht, sollten sie vor meinen Augen einen Joint rauchen“, berichtete Escobar Henao. Der heute 37 Jahre alte Sohn des 1993 getöteten Drogenbarons berichtet in einem neuen Buch über das Leben mit dem schillernden Vater. Escobar habe ihm und seiner Schwester „gezeigt, welchen Weg die Gesellschaft nicht nehmen sollte, weil er zur Selbstzerstörung führt, zum Verlust der Werte, wo das Leben keine Rolle mehr spielt“.

Auch er könne die Augen nicht davor verschließen, dass sein Vater ein Schwerverbrecher gewesen sei. Allerdings sei Escobar auch „ein guter Vater“ gewesen und habe ihn vor Fehltritten bewahrt, sagte Juan Pablo Escobar Henao. „Ich hätte Pablo Escobar 2.0 werden können, aber ich bin Architekt geworden, Designer, Redner und jetzt Schriftsteller.“

Mythos Escobar

Pablo Escobar hatte seine kriminelle Karriere als Autodieb und Bankräuber begonnen. In den 1980er und 1990er Jahren gehörte sein Medellin-Kartell zu den mächtigsten Drogenbanden Kolumbiens. Es kontrollierte die gesamte Schmuggelkette vom Coca-Anbau bis zum Verkauf der Drogen auf den Straßen von New York. Escobar häufte ein riesiges Vermögen an, zu Lebzeiten galt er als siebentreichster Mann der Welt. Sein Werdegang lieferte den Stoff für Bücher, Filme, Fernsehserien und sogar Cartoons.

Am 2. Dezember 1993 wurde der Drogenbaron in seiner Heimatstadt Medellin von einem Elitekommando der kolumbianischen Polizei erschossen. Diese weithin akzeptierte offizielle Version hält sein Sohn allerdings für unglaubwürdig: Juan Pablo Escobar Henao hat nach eigenen Worten „keinen Zweifel daran“, dass sich sein Vater mit einem gezielten Kopfschuss selbst das Leben nahm.

Die Opfer von Escobars Gewalt bat der Sohn bereits 2009 mit der TV-Dokumentation „Die Sünden meines Vaters“ um Vergebung, die er unter dem Pseudonym Sebastian Marroquin veröffentlichte. Ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf seines neuen Buchs soll nun an Wohltätigkeitsstiftungen in Kolumbien fließen. (APA)


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