Einer der Schutzengel trug einen Zottelpelz

„Das Berg-Wunder von Tirol“ heißt eine Doku, zu sehen morgen im ZDF. Der Inhalt: Menschen, die Gletscherspaltenstürze überlebten.

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Sommer 1989: Rolf Widerhofer wird aus der Gletscherspalte am Mustagh Ata gezogen, links oben sein Hund Ninuk.
© widerhofer

Von Irene Rapp

Innsbruck –August 2012: Ein Bayer wird nach sechs Tagen aus einer Gletscherspalte am Längentalferner (Stubaie­r Alpen) gerettet. Juli 1989: Der Mutterer Rolf Wider­hofer kann nach drei Tagen aus einer Gletscherspalte am Mustagh Ata (China) befreit werden. Wie man so etwas überleben kann, ist Inhalt einer Doku, welche am morgigen Sonntag um 18.30 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird. Und natürlich kommen beide – sowohl der Bayer Manfred Walter als auch der Tiroler – darin vor.

Rolf Widerhofer war vor 25 Jahren in 6400 Metern Höhe am Mustagh Ata kopfüber in die Spalte gestürzt. An der Lein­e hatte er seinen Samojeden Ninuk, der dem heute 76-Jährigen wohl das Leben rettet­e. „Ohne den Hund wär­e ich hinabgesprungen in die Tiefe. Er war mein Schutzengel im Zottelpelz“, erzählt Widerhofer, der nach einem 25-Meter-Sturz auf einer Schneebrücke zu liegen kam. Instinktiv zog er sich Skischuh­e und die nassen Stutzen aus, schlüpfte barfuß wieder in die Innenschuh­e und setzte den Hund – der mit in die Spalte gezogen worden war – auf seine Füße.

Widerhofer und Ninuk überlebten, „es war allerdings Rettung in letzter Sekunde“. Rettung in letzter Sekunde war es wohl auch für den Bayern Manfred Walter, der im August 2012 nach sechs Tagen aus einer Spalte gerettet worden war und Schlagzeilen machte. Sein Fall beschäftigt­e nicht nur die Wissenschaft – u. a. um den Alpinmediziner Peter Paal von der Inns­brucker Uniklinik für Anästhesie und Intensivmedizin –, sondern auch den ZDF.

Im Sommer 2014 trafen sich daher am Kaunertaler Gletscher ein Filmteam sowie der Bayer, Widerhofer und Paal. Ein Teil des Drehbuchs: „Sie wollten ein Kälteexperiment machen und natürlich habe ich mitgemacht“ sagt Widerhofer. Eine Stunde lang harrte er in der Folge eingebuddelt in Schnee aus, geschützt durch ein­e Aludecke.

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Witziges Detail: Der Muttere­r trug genau jenen Anorak, mit welchem er 1989 am Mustagh Ata in die Tiefe gestürzt war. „Ich war verkabelt, zahlreiche Werte wurden gemessen, die medizinische Aufsicht hatt­e Peter Paal“, erzählt Wider­hofer. Mit dem Versuch sollte u. a. gezeigt werden, ob eine Aludecke vor der Auskühlung schützen kann. Natürlich kam Widerhofer im Kaunertal auch mit seinem „Leidensgenossen“ Walter zu sprechen. Sein Eindruck: „Ein sehr zurückgenommener Mann. Er hat sicher durch seine Erfahrung überlebt.“ Und der Deutsche hat wohl auch einen Schutzengel gehabt.


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