Ein Haus aus Strohballen

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Häuser aus Stroh in den USA gebaut. Der ökologische Bau- und Dämmstoff wird auch in Tirol genützt, mittlerweile gibt es hierzulande mehrere Strohhäuser.

Innsbruck –Die ökologischen Vorzüge von Stroh als Baumaterial sind nun amtlich bestätigt. Am 16. Oktober wurde in Brüssel die Umweltproduktdeklaration für den Wärmedämmstoff Baustroh von der europäischen ECO-Plattform übergeben. „Baustroh weist den niedrigsten Herstellungsenergiebedarf aller zugelassenen Wärmedämmstoffe bei gleichzeitig sehr hoher CO2-Speicherfähigkeit auf“, erläutert der deutsche Architekt Dirk Scharmer. Wer ein Gebäude in Holzbauweise errichte und mit Stroh dämme, erspare der Atmosphäre 60 Tonnen klimaschädliche CO2-Emissionen. „Dies entspricht umgerechnet 400.000 Kilometern Autofahren“, rechnet Scharmer vor. Von dem Zertifikat erhofft er sich weitere Impulse für den Einsatz von Stroh und eine Ausweitung der Anwendungsgebiete.

Die deutsche Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow, die seit Jahren den Einsatz natürlicher Produkte in der Bauwirtschaft fördert, registriert schon seit einiger Zeit immer größer werdendes Interesse an dem Baustoff.

Auch in Tirol wächst die Nachfrage nach diesem Naturbaustoff. Seit rund 14 Jahren beschäftigt sich der Unterländer Roland Narr, Glasermeister und Tischler, mit ökologischem Bauen. Er hat mittlerweile fünf Strohhäuser gemeinsam mit seinen Kunden errichtet und weiß, warum Bauherrn in Tirol ein Strohhaus wünschen: „Sie wollen nachfolgenden Generationen keine Müllberge hinterlassen.“ Denn Stroh ist ein ökologischer Baustoff und hat zudem gute Dämmeigenschaften.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es den Strohballenbau. In den USA, in Nebraska, wurden die Ballen wie Ziegelsteine verwendet und Wände mit ihnen gebaut. Dann wurden sie mit Lehm verputzt. „Er konserviert das Stroh und gibt Ungeziefer und Schimmel keine Chance“, schildert Roland Narr. Den Häusern sieht man wegen ihrer verputzten oder verschalten Fassaden gar nicht an, dass sie aus Stroh sind. Früher verwendete man Stroh als Baustoff, wenn kein Holz zur Verfügung stand. Heutzutage wird dieser Naturbaustoff wegen seiner ökologischen und bauphysikalischen Eigenschaften geschätzt.

Es gibt die tragende und nichttragende Variante beim Bauen mit Stroh. „Bei der tragende Bauweise wird das Stroh wie ein Ziegel verwendet, bei der nichttragenden kommt die Holzriegelbauweise zum Zug, hier wird Stroh als Dämmstoff verwendet“, berichtet Roland Narr.

Mittlerweile gibt es auch in Tirol schon mehrere Häuser aus Stroh, die bei Interesse auch besichtigt werden können, um sich vor Ort mit den Bewohnern und Bauherrn auszutauschen. Eine Grundregel gibt er zukünftigen Bauherrn von Strohhäusern mit auf den Weg: „Ein Strohhaus braucht gute Stiefel und einen großen Hut.“ Es muss also auf einem guten Fundament stehen und das Vordach muss weit auskragen. (ft, dpa)


Kommentieren


Schlagworte