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Das lange Warten auf Asyl

Asylverfahren dauern in Tirol länger als in anderen Bundesländern, kritisiert die Plattform Rechtsberatung. Syrische Flüchtlinge gingen deshalb in Innsbruck an die Öffentlichkeit.

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(Symbolfoto).
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Von Marco Witting

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Innsbruck –„Wie lange noch?“ Yamen Abdul schießen die Tränen in die Augen. Der 34-jährige Syrer hält gerade Bilder in den übervollen Besprechungssaal eines Innsbrucker Hotels. Sie zeigen zwei tote Kinder in einem Trümmerhaufen. Es sind Bilder aus der Heimat, Bilder der Gewalt, des Schreckens, Bilder, die Yamen seit seiner Flucht im September 2013 nicht mehr loswird. „Wie lange noch?“ Diese Frage bezieht sich nicht nur auf den furchtbaren Konflikt in seiner Heimat. Sie bezieht sich auch auf die Wartezeit hier in Österreich. „Warten, warten, warten“, das würden sie im Asylheim in Götzens. Wie lange? Worauf? Das wissen sie nicht so recht. Verstehen sie nicht. Darum gingen Yamen und weitere syrische Asylwerber gestern an die Öffentlichkeit.

„Wir flüchteten vor dem Tod. Und begegneten dem Tod auf der Flucht. Jeden Tag passiert diese Geschichte“, fasst Yamen seine zusammen. Vier Monate ist er hier in Tirol. Wartet, was mit seinem Asylantrag passiert. Dieser dauert in Tirol, so sagt es die Plattform Rechtsberatung, besonders lange – für die Menschen unerträglich lange. Laut Gesetz hat das Bundesamt für Asyl (BFA) sechs Monate für eine Entscheidung Zeit. Yamen wurde bisher nicht einmal einvernommen. Ein anderer Asylwerber ist ebenfalls im Saal. Er ist seit März 2013 hier – und wartet. „Meine Mutter glaubt mir nicht mehr. Sie glaubt, ich lüge, weil ich nicht zu ihr kommen kann und sie auch nicht hierher holen kann.“

Die Angst um die Familie, um die Menschen, die zurückgelassen wurden, sie nagt an den rund 30 Männern, die sich zu den „Freedomseekers“­ zusammengeschlossen haben. Jeden Tag des Wartens könne eine „Katastrophe“ passieren. Zu Hause. „Im Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit: Helfen Sie uns!“, sagt Yamen mit fester Stimme.

Yamen Abdul, Adel El Sayed, der als Dolmetscher fungierte, und Neshad Omar (v. l.) bei der Pressekonferenz am Dienstag.
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Sieben Monate ist es her, dass Neshad Omar seine Heimat, seinen Beruf als Chef eines Gastronomiebetriebes verlassen hat, weil er von den syrischen Behörden verfolgt wurde. Eindringlich blickt er den Journalisten in die Augen als er sagt: „Jeder Österreicher hat das Recht zu fragen, warum wir da sind. Weil es für uns das Beste ist, aus dem Krieg zu fliehen.“ Ob er sich willkommen in Tirol fühle? Neshad macht eine kurze Pause. „Wir fühlen uns hier sicher. Aber wir warten darauf, dass die Sachen erledigt werden, damit es für uns weitergehen kann.“ Yamen ergänzt: „Ich liebe das Land und die Leute hier.“

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Katharina Lang von der Plattform Rechtsberatung spricht von Ohnmacht und Hilfeschreien. Nicht nur bei den Asylwerbern, die zu lange auf ihre Bescheide warten müssten. Auch bei den Hilfsorganisationen, die jeden Tag die Frage nach dem Grund für die Wartezeiten beantworten müssten, mache sich Frust breit. „Es ist schwer zu erklären, warum die Verfahren in Wien nach zwei Monaten erledigt sind.“ 40 Flüchtlinge in Tirol warteten noch immer auf einen Asylantrag, den sie bereits 2013 gestellt hatten. „Acht bis zehn Monate dauert es in Tirol bis zu einer Einvernahme.“ Zuletzt wurden 30 Fälle nach Vorarlberg geladen, um den Stau an Anträgen in Tirol mildern zu können. „Das kann aber nur eine mittelfristige Notlösung sein“, sagt Lang. Dem BFA fehle es in Tirol an Mitarbeitern. Zudem habe das Amt wohl besonders viele Akten bereits zum Start übernehmen müssen.

Die Syrer hätten sich selbst entschlossen, an die Öffentlichkeit zu treten. Man unterstütze die Gruppe nur. Wichtig sind den „Freedomseekers“ nämlich zwei Dinge: mit der „österreichischen Mehrheitsbevölkerung in Kontakt zu treten“ und die Bedingungen für Asylwerber zu verbessern. Dazu wird an den kommenden Freitagen und Dienstagen von 15 bis 19 Uhr vor dem Ferdinandeum ein Zelt aufgestellt, bei dem diskutiert und erzählt werden soll und man einander kennen lernen kann. Die Organisatoren wollen dafür Dolmetscher zur Verfügung stellen.


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