Heiße Debatte um Kaufverweigerung
Am 1. Adventsamstag ist internationaler Kauf-Nix-Tag, die Wirtschaftskammer hält davon aber wenig.
Innsbruck –Das Weihnachtsgeschäft ist mit die umsatzstärkste Zeit des Jahres für den Handel. Im Kontrast dazu findet jährlich am 1. Adventsamstag in 45 Ländern der Kauf-Nix-Tag statt. Einen Tag lang sollen die Menschen nichts kaufen oder konsumieren. Zum Kauf-Nix-Tag nächster Woche führte das Marktforschungsportal marketagent.com eine Umfrage unter 1000 Österreichern zu ihrem Konsumverhalten durch. 72 Prozent gaben an, dass sie sich als bewusste Käufer sehen. Trotzdem haben 56 Prozent der Befragten schon mal einen Fehlkauf gemacht. Auffallend ist, dass fast 20 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren Dinge gekauft haben, die sie nicht benötigen. Unter den 60- bis 69-Jährigen sind es gerade mal zwei Prozent. Fast 90 Prozent stimmten zudem zu, in einer „Welt des Konsumwahns und Überflusses“ zu leben.
Aktionstage wie der Kauf-Nix-Tag sollen das Konsumverhalten aufzeigen. Wirklich wahrgenommen wird er nicht. Sogar Non-Profit-Organisationen wie Greenpeace oder Attac, welche in der Vergangenheit noch Aktionen an dem Tag durchführten, halten sich heuer zurück, begrüßten ihn aber. Ein Sprecher von Attac Österreich sagte dazu: „Der Kauf-Nix-Tag zeigt den Widerspruch auf, dass es zwar Ware im Überfluss gibt, aber zeitgleich immer mehr Menschen, die ihre Grundbedürfnisse nicht stillen können.“ Trotzdem könnten die Konsumenten „nicht für alles Verantwortung übernehmen“. Die Politik sei gefragt.
Alois Schellhorn, Handelsobmann der Tiroler Wirtschaftskammer, hat naturgemäß wenig Freude mit der Kaufverweigerung. „Wenn die Tiroler zehn Prozent mehr regionale Produkte kaufen würden, hätte das mehr Effekt.“ Denn das würde bis zu 1500 Arbeitsplätze entstehen lassen. Das Konsumverhalten müsse sich auf Nachhaltigkeit und Regionalität orientieren. Denn gar nichts kaufen, bringe niemandem etwas. (ibu)
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