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Pinzgauer mit Erinnerungslücken wegen Wiederbetätigung vor Gericht

Ein 20-jähriger Angeklagter muss sich am Donnerstag wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung vor Gericht verantworten. Er selbst bezeichnet sich nicht als Neonazi. Einschlägige Musik wurde auf seinem Rechner gefunden.

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(Symbolfoto)
© TT / Thomas Böhm

Zell am See – Nationalsozialistische Wiederbetätigung ist am Donnerstag einem 20-Jährigen bei einem Prozess in Salzburg vorgeworfen worden. Der Pinzgauer soll im Juli 2014 bei einem Dorffest zwei Männer mit Migrationshintergrund als Ausländer beschimpft und „Heil Hitler“ gerufen haben. Auf seinem Computer wurden rechtsextreme Lieddateien sichergestellt. Er bezeichnete sich aber nicht als „Neonazi“.

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Angeklagter mit Erinnerungslücken

Der Angeklagte bekannte sich nur zu den Vorwürfen schuldig, die nicht das Verbotsgesetz betrafen. Er habe bei dem Fest in Bramberg im Oberpinzgau so viel Bier, Schnaps und Rum getrunken, dass er sich nicht mehr erinnern könne, ob er vor den Männern den Hitler-Gruß ausgeführt habe. Es könne schon sein, dass er „Scheiß Türken“ und „Scheiß Jugos“ zu ihnen gesagt habe. „Da denke ich mir eigentlich gar nichts dabei. Wären es Tiroler gewesen, hätte ich ‚Scheiß Tiroler‘ gesagt“, sagte er aus. Die Ursache des Konflikts fiel ihm nicht mehr ein. Dass er die beiden anschließend verfolgt und mit den Füßen getreten habe, werde schon stimmen, meinte der Angeklagte. Begründen konnte er die Attacke aber nicht.

Nach dem Vorfall wurde bei dem Beschuldigten 2,1 Promille Alkohol im Blut festgestellt. Staatsanwalt Marcus Neher meinte, der 20-Jährige wollte sich damals „als kleiner Neonazi“ präsentieren. Er habe die Männer aus der Nachbargemeinde auch mit einem abgebrochenen Flaschenhals bedroht. Daran konnte sich der Pinzgauer nicht erinnern.

Bilder, eingeritze Runen und Nazi-Musik gefunden

Eine Hausdurchsuchung förderte rund siebzig einschlägige Dateien sowie Bilder und auf der Zimmertüre eingeritzte Runen zutage, die dem Staatsanwalt zufolge auf eine nationalsozialistische Gesinnung des Angeklagten hinweisen. Lieder wie jene der „Rechts-Rockgruppe“, „Lanzer“ und der „Zillertaler Türkenjäger“ waren auf dem Rechner gespeichert. „Mitschüler von der Berufsschule haben zu mir gesagt, die Musik ist gut. Deshalb habe ich sie heruntergeladen“, sagte der Beschuldigte dazu. Die Texte seien unfassbar, hielt ihm die Vorsitzende des Schöffensenates, Richterin Bettina Maxones-Kurkowski, vor. Bewusst zugehört habe er nicht, antwortete der Angeklagte. „Ich habe nicht darüber nachgedacht. Mit Nationalsozialismus habe ich nichts zu tun“, erklärte er kleinlaut.

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Verteidiger Michael Kowarz erläuterte seine Sichtweise: Sein Mandant sei kein kleiner „Neonazi“, „seine Taten und Äußerungen erfolgten nicht in der Absicht, sich im nationalsozialistischen Sinne zu betätigen“. Zum Vorwurf des Widerstandes gegen die Staatsgewalt bekenne sich der Pinzgauer schuldig. Dass dieser bei der Festnahme einen Polizisten mit einem Ellbogenstoß verletzen wollte, „stellt er in Abrede“, sagte der Anwalt. Ein Urteil in dem zweitägigen Prozess am Landesgericht Salzburg ist am Freitag zu erwarten. (tt.com / APA)


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