Obergricht wird Highland für Whisky-Liebhaber
Gerhard Maaß produziert einen Obergrichter Single Malt. Der Whisky wird aus der Fisser-Imperial-Gerste gebrannt.
Von Matthias Reichle
Prutz – Gerhard Maaß trägt keinen Kilt, versteht nichts vom Dudelsackspielen und wirft auch keine Baumstämme bei Highlandgames. Nur eine Leidenschaft teilt er mit den Schotten.
Es ist das Aroma des Hochlands, das er an diesem Vormittag in ein hohes Schnapsglas zapft. Ein konzentrierter Blick auf die klare Flüssigkeit, dann nimmt der Edelbrenner den ersten Schluck. „Es hat eine hefige, getreidige, leicht strohige Gerstennote, ist süß, extrem lang und dicht“, beschreibt Maaß das Aroma, das seine Geschmacksknospen einen flotten Jig tanzen lässt. Für ihn sei das ein „historischer Moment“, schmunzelt er, während er die Einstellungen seiner kupferglänzenden Brennereianlage kontrolliert. Was Maaß eben gekostet hat, ist nichts weniger als ein Obergrichter Single Malt. Gebrannt aus der Fisser-Imperial-Gerste.
2013 haben Bauern begonnen, der beinahe ausgestorbenen Getreidesorte neues Leben einzuhauchen. Gezüchtet wurde sie ursprünglich von Karl Röck am Sonnenplateau. Der Gerstentyp geriet zwar nach dem Krieg in Vergessenheit, überlebte aber dank der Genbank des Landes. Deren Chef Christian Partl unterstützte das Projekt nach Kräften. Heuer wurden bereits elf Tonnen geerntet.
Mit dem Stanzer Brenner Christoph Kössler will Maaß das Produkt nun zu einem regionalen Whisky veredeln. Die beiden sind keine Unbekannten. Den heurigen World Spirit Award, den Wettkampf der besten Brenner, dominierten sie mit einem Rekordergebnis.
Im hinteren Bereich der Brennerei stehen die Tanks mit der Gersten-Maische – dem Rohstoff des Whisky. „Koste!“, fordert Maaß auf. „Es schmeckt wie Bier, nur ohne Hopfen.“ Als er dann den Verschluss der Rohbrandblase öffnet, strömt ihm heißer Dampf entgegen. Unter ständigem Rühren köchelt dort die gelbliche Flüssigkeit bei 90 Grad vor sich hin.
Zweimal wird sie destilliert. „Dabei kommt es ganz auf das Fingerspitzengefühl des Brenners an.“ Kleinste Temperaturunterschiede spielen eine Rolle und entscheiden, ob der Feinbrand später mundet. „Pot-Still“ wird die Methode genannt. Das Ergebnis ist noch kein Whisky, zuvor muss der Gerstenbrand drei Jahre in Eichenfässern lagern.
Was den Tiroler vom Schottischen Whisky unterscheidet, sei die „fruchtige Note“, versucht Christoph Kössler einen Vergleich. Er hat sich mit anderen vor den Maaß’schen Kesseln eigefunden, um bei der Premiere dabei zu sein. Dafür fehle der heimischen Variante das Torfige.
Kössler war der Erste in Tirol, der Whisky hergestellt hat. Das ist nun elf Jahre her, erinnert er sich. Die Idee mit der Tiroler Gerste geht aber noch einen Schritt weiter.
Maaß ist jedenfalls überzeugt, dass es das Ergebnis des Brennvorgangs locker mit Spitzenwhiskys auf der ganzen Welt aufnehmen kann. „Vielleicht liegt es am hohen Eiweißgehalt der Fisser-Imperial-Gerste“, vermutet er.
In den nächsten Jahren hoffen er und Kössler noch mehr Getreide für ihr Projekt zu bekommen. Die Chancen stehen gut. 2015 könnte es erstmals auch im Ötz- und Pitztal, im Wipptal, im Mittelgebirge und am Mieminger Plateau angebaut werden. Es steht Saatgut für 30 Hektar zur Verfügung, erklären der Bauer Christian Sturm und Martin Schöpf von der Firma Timac, der die Landwirte berät.
Die Nachfrage dafür ist gegeben. Heuer hat sich die Zillertal-Brauerei erstmals auch an einem Fisser Bier versucht.