Seilbahnkonzept bleibt, neue Gletscherbahn möglich
Seilbahngrundsätze werden nicht aufgeweicht. Im Stubaital plant die Landesregierung einen neuen Naturpark mit den Kalkkögeln.
Innsbruck – Eine Aufgabe hat die schwarz-grüne Landesregierung vor Weihnachten noch zu lösen: Die Ausweisung von Natura-2000-Schutzgebieten an der Isel und ihren Zubringerflüssen. Doch hier konnte sich die Koalition noch nicht einigen. Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) will die gesamte Isel als Schutzzone ausweisen, die ÖVP hingegen bremst. Gestern machte die Regierung jedoch Tempo und hat die Raumordnungsschwerpunktprogramme für Seilbahnen und Skigebiete sowie die Eckpfeiler für die Reform des Golfplatzkonzeptes paktiert, die neue Bahn auf den Stubaier Gletscher ermöglicht und die Voraussetzungen für den Naturpark Stubai beschlossen. Sowohl Wirtschaftsvertreter wie Kammerpräsident Jürgen Bodenseer (VP) als auch die Grünen sind damit zufrieden.
Felipe spricht von einer guten Balance von Naturschutz und wirtschaftlichen Entwicklungschancen. Weil die neue 3-S-Bahn (Eisgrat) auf den Stubaier Gletscher das Landschaftsschutzgebiet Serles-Habicht-Zuckerhütl berührt, wäre eine Verlegung der Talstation nicht realisierbar gewesen. Als Ausgleichsmaßnahme wird das Schutzgebiet jetzt um 45 Hektar vergrößert. LH Günther Platter (VP) weist darauf hin, dass damit der Buspendelverkehr zu den Parkplätzen teilweise entfällt. „Außerdem ist eine windsichere Erschließung des Gletscherskigebiets wichtig.“ Das bei der Umweltabteilung anhängige Naturschutzverfahren dürfte nur noch Formsache sein.
Dass die Landesregierung auch den Startschuss für einen Naturpark Stubaital gegeben hat, der die Betreuung der Schutzgebiete Serles-Habicht-Zuckerhütl, Stubaier Alpen und Kalkkögel professionalisieren soll, freut vor allem Felipe und den grünen Klubchef Gebi Mair. „Das ist eine große Chance für das Stubaital, weil auch Förderungen dafür abgeholt werden können“, hofft Felipe auf einen Impuls für das Tal. Bürger, Lokalpolitiker, Wirtschaftstreibende und Touristiker sollen in den Diskussionsprozess eingebunden werden. Mairs Naturpark-Interpretation dürfte den Touristikern aber gar nicht schmecken. „Damit ist ein zusätzlicher Schritt weg vom Brückenschlag gemacht“, frohlockt er.
Mit „Wunschdenken“ quittiert Seilbahnsprecher Franz Hörl diese Aussagen. Er fordert schließlich vehement eine Seilbahnverbindung von der Axamer Lizum in die Schlick über das Ruhegebiet Kalkkögel. Mit der Verlängerung der Seilbahngrundsätze, die ein Verbot von Neuerschließungen enthalten, kann Hörl leben. „Wir haben jedoch schon vor Jahren erkannt, dass Neuerschließungen nicht notwendig sind, deshalb hätte man sich das Seilbahnprogramm sparen können.“ Für ihn ist 2018 zumindest eine Perspektive für ein Ende des Seilbahnkonzepts. Vor allem Skigebietsverbindungen im Inntal würden durch das Seilbahnkonzept verhindert und dadurch Strukturkonservierung betrieben werden, kritisiert Hörl. Für Jürgen Bodenseer hat sich das Seilbahnprogramm hingegen bestens bewährt.
Im Blickwinkel von Grün fällt die Bewertung für die unveränderte Fortschreibung des Seilbahnprogramms allerdings vollkommen anders aus. „Eine Aufweichung kommt für uns nicht in Frage. Natürlich könnten einige Bestimmungen klarer gefasst werden. Aber der Abstimmungsprozess hat ergeben, dass sowohl Touristiker wie auch der Landesumweltanwalt mit dem bestehenden Programm gut können.“
Die Raumordnungsprogramme waren letztlich nur das Aufwärmen für die größte Herausforderung, die Natura-2000 in Osttirol heißt. (pn)
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