Bond-Schauplatz Obertilliach hat den Dreh raus

Das schmucke Bergdorf war bereits wiederholt Filmkulisse. Mit dem nächsten James Bond ist Obertilliach ein Millionenpublikum sicher. Der Ort zeigt sich voll Vorfreude – und ist derzeit bestens bewacht.

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Von Claudia Funder

Obertilliach –Begibt man sich derzeit nach Obertilliach, ist noch bevor man den eigentlichen Ort erreicht hat offensichtlich, dass hier Großes im Gange ist. Demnächst spielt das Osttiroler Bergdorf als Schauplatz in der internationalen Film-Oberliga mit: Erste Dreharbeiten für den nächsten James-Bond-Film mit dem Titel „Spectre“ starten bereits nächste Woche.

Westlich des Dorfes erstrecken sich riesige Parkplätze für den gigantischen Fuhrpark und mit Zelten für Catering und Requisiten. Die Container wirken wie seltsam anmutende Fremdkörper in der sonst malerischen Schneelandschaft.

Die geheimnisumwitterten Areale, aber auch das speziell für den Dreh gezimmerte James-Bond-Haus am Nord­rand des Dorfes werden von starken Männern abgeschottet. Entsprechend ihrer Funktion wirken die grellgewandeten Securitys auf den ersten Blick tatsächlich abschreckend. Im Gespräch mit der TT erweisen sich die strengen Herren in Neon aber durchwegs als freundlich, kommunikativ und gar nicht kamerascheu. Sie schieben Zwölf-Stunden-Schichten, erzählt mir ein Security-Mann, der an der Landesstraße postiert ist. Dabei trotzen sie Wind und Wetter. Die Kälte, nein, die mache ihnen nichts aus, berichten alle Befragten. Man gehe auf und ab, das halte warm. „Ich bin dabei heute schon sechs Kilometer gelaufen“, erklärt einer von ihnen bereits am frühen Vormittag. Rund um James Bond verlieren die Securitys kein Wort. Alles in geheimer Mission.

Für die „Tilga“ selbst sind Filmdrehs nichts wirklich Exotisches. Obertilliach wurde als Kulisse schon wiederholt ins rechte Licht gerückt. Bereits vor Jahrzehnten drehte hier der legendäre Franz Antel mit Waltraud Haas, später Dietmar Schönherr. Das jüngste Beispiel ist die Produktion „Die Tränen der Sextener Dolomiten“ von Hubert Schönegger.

Dass der Ort nun als Schauplatz für den neuen James-Bond-Film ein vielfaches Millionenpublikum erreichen wird, ist aber eine völlig neue Dimension. Die Einheimischen geben sich dennoch authentisch unaufgeregt, wenn man sie auf Bevorstehendes anspricht. Aber die Vorfreude ist den meisten ins Gesicht geschrieben. James Bond, das sei schon ein Haupttreffer für den Ort – das sagen viele, wenn man sich hier umhört.

Sepp Lugger, Tourismuschef in Obertilliach, spricht von vollen Betten im gesamten Jänner: „Es gibt viele Anfragen von Gästen speziell wegen der Filmaufnahmen.“

Manche Beherberger hegen aber die Sorge, mit dem Trubel den angestammten Gästestock zu vergraulen. Lugger sieht in dem Filmdreh allerdings wie die Allermeisten im Dorf eine große Chance: „Es wäre grob fahrlässig, diese nicht zu nutzen.“ Und er hofft, dass die Filmregie im Wort bleibt und das hübsche Dorfbild im Endprodukt zu sehen sein wird. Die Kulisse atmet Jahrhunderte. „19 Objekte sind denkmalgeschützt, der Ortskern ortsbildgeschützt“, erklärt Lugger. Auch der Ortspfarrer Vincent Ohindo, ein gebürtiger Afrikaner, hält den Dreh für eine „gute Sache“, von der Obertilliach profitieren werde.

Maria Mitterdorfer aus Obertilliach freut sich auf den Drehstart, ist aber schon vor dem Fallen der ersten Klappe von der Stimmung angetan: „Es sind viele Leute da, alles ist international. Und ich fühle mich derzeit sehr sicher, weil so viel Securitys im Ort sind“, sagt sie schmunzelnd.

Drehorte werden die Schneise der demontierten Tinetz-Freileitung im Gostenwald, die Dorfpisten, die oberhalb des Dorfes einmünden, und das berüchtigte James-Bond-Haus am Nordrand des Dorfes sein.

Ab 10. Jänner startet das 300-köpfige Filmteam mit der Arbeit. Daniel Craig selbst soll – streng abgeschirmt – nur drei Tage für Nahaufnahmen vor Ort sein. Vorab kommen natürlich jede Menge Action-Szenen mit Stuntmen in den Kasten, bei denen es ganz schön zur Sache gehen soll. Verfolgungen aus der Luft und auf Skiern sind ebenso geplant wie Schüsse und Explosionen – außergewöhnliche Geschehnisse für den sonst so beschaulichen Ort.

Für die Winterszenen, die in Obertilliach auf Film gebannt werden, braucht es natürlich möglichst viel Weiß von oben. Gerade rechtzeitig hat es in Obertilliach geschneit. Auf weiteren kräftigen Nachschub wird noch gehofft.


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