3D-Doppelgänger: Schicht für Schicht zum kleinen Ich
Ein Doppelgänger aus dem 3D-Drucker: Ein Tiroler Unternehmen bietet detailgetreue „Mini-Ichs“ an. Das ist aber noch längst nicht alles: Lebensmittel, Waffen und sogar Organe werden bereits ausgedruckt.
Von Miriam Hotter
Innsbruck –Schmale Nase, lange Haare und Kapuzenpulli: Ja, das bin ich. 14 Zentimeter groß, 260 Gramm schwer. Ein Miniatur-Ich, ausgedruckt in 3D. Und das mit erstaunlichen Details: Die Knöpfe an meiner Jacke sind zu erkennen, das Logo auf dem Ärmel, die Schnürsenkel an den Schuhen.
Für den kleinen Doppelgänger hat mich Florian Tursky vergangene Woche im DEZ in Innsbruck mit 120 Kameras fotografiert. Der Geschäftsführer des Unternehmens „duwidu“ konnte an diesem Tag seinen ersten Shop eröffnen. Zumindest bis 20. Dezember. Danach muss er sich nach einem anderen Standort umschauen.
Für den Shop hat er ein rundes Gerüst mit 120 eingebauten Kameras aufgestellt. In der Mitte befindet sich ein Fußabstreifer. „Dort stellst du dich drauf“, erklärt der Innsbrucker. Die Situation erinnert an das Röntgen beim Zahnarzt, wenn die Maschine um den Körper kreist.
Aus den Fotos berechnet ein Computer ein 3D-Modell, Tursky kümmert sich um die letzten Details. Möglichst echt soll es aussehen. Digitale Schönheitsoperationen sind nicht drin: „Wir wollen natürlich echte Porträts erschaffen, die zeigen, wie man wirklich aussieht“, sagt er. Aus der Vorlage wird dann die Figur gedruckt.
Bei diesem Druckverfahren werden viele Lagen eines Gips- pulvers übereinandergelegt, auf jede sprüht ein Druckkopf an die Stellen ein Bindemittel, aus denen das 3D-Modell erwächst. Zwischen ein und zwei Stunden braucht der Drucker, um den Doppelgänger anzufertigen. Nach zehn Tagen kommt der Zwilling per Post, gebettet in Schaumstoff. Die 14-Zentimeter-Figur kostet 99 Euro, ein 21 Zentimeter großes Exemplar gibt es für 299 Euro.
In Wien gibt es seit einem Jahr den Shop „3dee“, wo sich Kunden ebenso ihre eigene Miniaturfigur ausdrucken können. Das Prozedere ist dasselbe. „Wir drucken aber auch andere Sachen aus“, erzählt Mitarbeiter Anthony Stumpf. Vor allem Modelle aus dem Architekturbereich seien gefragt. „Manche drucken kleine Gebäude aus“, so der 21-Jährige.
In China sei es Forschern bereits gelungen, ein Haus mit einer Fläche zwischen zehn und fünfzehn Quadratmetern auszudrucken. „Das Material ist Zement“, weiß Stumpf. Doch auch Alltagsgegenstände kommen aus dem Drucker. „Zum Beispiel Kaffeetassen.“ Schicht für Schicht entsteht so das eigene Haferl. „Eine Schicht hat eine Dicke von 0,4 Millimetern. Damit das Ganze wasserdicht und stabil ist, braucht es eine Dicke von mindestens zwei Millimetern“, erklärt der Wiener. Der Kunststoff, der dafür verwendet wird, nennt sich Polyactide (PLA).
Wer einen 3D-Drucker zuhause haben möchte, kann sich im Shop einen ab 549 Euro kaufen. „Drucker, die 70 Zentimeter große Dinge drucken, kosten zwischen 2000 und 5000 Euro.“ In der Woche verkaufe er rund zehn 3D-Drucker.
Die 3D-Technik hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Viele sprechen von einer Revolution. Gedruckt werden nicht nur Prototypen, sondern auch passgenaue Hörgeräte oder Kleider. Deutsche Tüftler haben ein Elektroauto entwickelt, das fast zur Gänze mithilfe eines 3D-Druckers ausgedruckt wurde. Studenten einer Universität in Florida ist es gelungen, eine Prothese für einen sechsjährigen Jungen auszudrucken, der ohne rechten Arm auf die Welt kam. Amateure können sich sogar Schusswaffen ausdrucken. Britischen Ärzten ist es gelungen, das Gesicht eines durch einen Motorradunfall schwer entstellten Mannes mit Hilfe von Teilen aus einem 3D-Drucker zu rekonstruieren.
„Sogar Organe werden bereits ausgedruckt“, erzählt Stumpf. So können Haut oder Mini-Nieren produziert werden. Statt mit Farbe wie beim Schreibtischdrucker würden die Kartuschen der 3D-Drucker dann mit gezüchteten Körperzellen gefüllt werden. Schon in ein paar Jahren könnten die künstlichen Gewebe Patienten helfen, hoffen die Forscher.
Das US-Unternehmen Organovo hat außerdem vor Kurzem mit der „weltweit ersten gedruckten Leber“ für Schlagzeilen gesorgt. Dabei handelt es sich allerdings noch nicht um ein vollständiges Organ. Derzeit könne man nur kleine Stücke von funktionsfähigem, menschlichem Gewebe drucken.
Die Zukunft sieht Stumpf in der Produktion von Lebensmitteln. „Man wird sich ganze Mahlzeiten ausdrucken können“, sagt er. An der deutschen Hochschule Weihenstephan drucken Forscher bereits Erbsen aus. Doch damit nicht genug: Auch der italienische Nahrungsmittelkonzern Barilla will zukünftig auf 3D-Druck setzen und seine Pasta bald aus dem Drucker kommen lassen.
Nun steht mein kleiner Zwilling vor mir auf dem Schreibtisch. Unheimlich real sieht er aus. Manche Kollegen rufen überrascht: „Das bist ja du!“