Hotel als Weihnachtsgeschenk
Bau eines 120-Betten-Vier-Sterne-Hauses im Linz-Textil-Areal mit Handschlag vereinbart. Der Wasserstreit zwischen Reutte und Breitenwang auf Ehrenberg ist beigelegt.
Von Helmut Mittermayr
Reutte –Die Linz Textil macht Reutte ein Weihnachtsgeschenk, teilte Bürgermeister Alois Oberer in der vergangenen Gemeinderatssitzung mit. „Ein Hotel im Linz-Textil-Areal wird definitiv gebaut. Der Handschlag ist bereits vollzogen, die Verträge sind unterschriftsreif und werden noch vor Weihnachten von der Linz-Textil-Führung und dem Kirchbichler Unternehmer Manuel Geiger, Arcus Bauerrichtungs GmbH, der als Investor den Grund kaufen und das Hotel errichten wird, unterzeichnet.“ Dort, wo derzeit noch Sträucher und Wald nahe am Lech zu finden sind, werden spätestens 2016 die Bagger gestartet. Das Grundstück liegt oberhalb des Strabag-Bürogebäudes nahe der alten Thyll-Villa.
Oberer freute sich, dass die in Angriff genommene Ortsteilentwicklung im stillgelegten Areal des ehemaligen Textilriesen nun in die Umsetzungsphase gerät. 120 Zimmer soll das Vier-Sterne-Haus bekommen. In einem weiteren Schritt sind auch hochwertige Residenzen geplant. Das von Immobilienentwickler redserve vorangetriebene Hotelprojekt nahe der Thyll-Villa soll Alp Style Tulip Inn heißen.
Derzeit werden vom Reuttener Ortsplanungsbüro Armin Walch alle Massen erfasst, die beim Abriss diverser Industriegebäude am Areal anfallen werden. Eine unabdingbare Vorarbeit, um die nicht geringen Kosten einschätzen zu können. Der von Linz Textil finanzierte Abriss soll im Frühjahr 2015 über die Bühne gehen. Prophylaktisch werden auch Bodenproben entnommen, aber keine Besonderheiten erwartet.
Mit einer zivilrechtlichen Vereinbarung wurde dieser Tage auch ein langjähriger Streitpunkt zwischen den Gemeinden Breitenwang und Reutte beigelegt. Die rasante Entwicklung Ehrenbergs war dem Wunsch Breitenwangs nach Sicherung seiner Haupttrinkwasserquelle in die Quere gekommen. Eine Ausweisung als Wasserschutzgebiet, was Breitenwang beim Land beantragt hatte, hätte jede weitere Entwicklung im Burgenensemble gebremst oder gar gestoppt und Freiluftveranstaltungen mit Tausenden Besuchern, wie Ritterspiele, praktisch unmöglich gemacht.
Der Marktchef sah mit der Einigung auch allfälligen Klatsch über „Hackeleien und Schuldzuweisungen“ zwischen den beiden Gemeinden in hohem Maße ausgeräumt: „Das ist ein Signal nach außen. Reutte und Breitenwang streiten nicht.“ Genauso wenig stimme es, dass Breitenwangs Bürgermeister Wagner und er „nicht miteinander könnten“.
BM Oberer räumte ein, dass die Klausenquelle, aus der Breitenwang 75 Prozent seines Wasser beziehe, sicherlich schützenswert sei. Die nahe B179 oder Platzregen sah er übrigens weitaus problematischer als die Ritterspiele für die Quelle.
GV Ernst Hornstein erklärte, dass Breitenwang sowieso kein schwarzer Peter zugeschoben werden könne: „Wir hätten umgekehrt doch gleich gehandelt.“ Die zivilrechtliche Vereinbarung verhindert nun die offizielle Ausweisung eines Wasserschutzgebiets. „Für uns ist sie trotzdem Gesetz“, deutete Oberer die Ernsthaftigkeit der Reuttener Position an. Im Vertrag wurden konkrete Vorgangsweisen im Zuge von Großveranstaltungen festgelegt – etwa ab wann das Wasser ausgeleitet und wie Breitenwang von Reutte zwischenversorgt oder wer Qualitätsproben nehmen wird. Für Breitenwanger Haushalte bleiben alle Schritte kostenneutral.
Der Obmann des Vereins Burgenwelt Ehrenberg, Vizebürgermeister Dietmar Koler, erklärte, dass Schlagwetter für die Quelle weitaus problematischer gewesen seien als Veranstaltungen. Die Bewohner der Klause samt Gasthof hätten damit schon öfter zu kämpfen gehabt. Eine UV-Anlage sei als Vorsichtsmaßnahme installiert. Der Hausmeister hätte bei Verstopfungen schon mit der Gießkanne zur Füllung der Spülkästen ausrücken müssen, wusste Koler. GR Helmut Hein sah diese Diskussion wiederum von der heiteren Seite. Er meinte während der Sitzung zum Pressetisch geneigt: „Vielleicht ist das der Grund, warum so viel Alkohol ausgeschenkt wird.“
Die Wasserversorgung der Klause soll künftig schlagwetterunabhängig werden, langfristig bleibt ein Gemeinde-Wasserverbund Ziel.
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