Zeitreise durch Sillian hat viele Seiten
Was es bisher nicht einmal als Broschüre gab, ist bald 520 Seiten stark zu haben: Am Freitag wird Sillians erstes Gemeindebuch präsentiert.
Von Claudia Funder
Sillian –Kaum zu glauben, aber wahr: Sillian, einer der wichtigsten Orte des gesamten Pustertales, hatte bisher kein eigenes Gemeindebuch. „Nicht einmal eine Broschüre gab es“, konkretisiert es der Historiker Meinrad Pizzinini, der in den vergangenen Jahren intensiv damit beschäftigt war, genau das zu ändern.
Am Freitag, 19. Dezember, wird das Ergebnis um 19.30 Uhr im Kultursaal der Marktgemeinde präsentiert: das erste Gemeindebuch von Sillian, für dessen Gelingen 13 namhafte, fast durchwegs heimische Autoren ins Boot geholt werden konnten.
Bereits 1969, anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Markterhebung, hätte es ein gebundenes Schriftwerk geben sollen. Die Pläne zerschlugen sich damals jedoch.
2006 dann ein neuerlicher Vorstoß: Die Gemeinde nahm Kontakt mit Meinrad Pizzinini auf und bat ihn, die Gesamtredaktion des Projektes zu übernehmen. Der Historiker, ein gebürtiger Lienzer, wählte mit Bedacht die Autoren für das Werk aus, das in den vergangenen vier Jahren Gestalt annahm. Die Themen für die 18 hochwertigen Beiträge des kulturhistorisch interessanten Werks reichen von der Natur, Topographie und Geschichte über Orts- und Flurnamen, Sagen, Volkskunde und wirtschaftlichen Besonderheiten bis zu den Persönlichkeiten mit Sillianer Wurzeln. Dazu zählt Kaiser Maximilians „Finanzminister“ Blasius Hölzl ebenso wie Krimi-Erfolgsautor Bernhard Aichner. Aber etwa auch der bekannte Künstler Jos Pirkner ist ein gebürtiger Sillianer.
Über das lebendige Vereinsleben der Marktgemeinde gibt es eine separate, 96-seitige Broschüre, die dem Buch beigelegt ist.
Pizzinini selbst gibt dem Leser spannende, teils kuriose Einblicke, wie Reisende Sillian einst erlebt und beschrieben haben. So erfährt man etwa auch, dass man in den späten 1920er-Jahren der an Anstand und Sitte gewohnten Bevölkerung die „halb- und ganznacktgehenden“ Touristen nicht zumuten wollte.
Der Inhalt des Buchs ist wissenschaftlich fundiert aufgearbeitet und dennoch gut lesbar – beides war Pizzinini ein besonderes Anliegen, wie er im Gespräch mit der TT betont. Und die Betrachtungen enden nicht an den Gemeindegrenzen, weil das bei gewissen Themen zu kurz gegriffen hätte. An den vorgegebenen Textumfang hat sich übrigens keiner der Autoren gehalten. Pizzinini: „Alle haben deutlich mehr geschrieben.“
Das 520 Seiten starke Nachschlagewerk mit dem Titel „Sillian – Geschichte und Gegenwart“, das in einer Auflage von 2500 Stück erscheint, ist großzügig illustriert. Nicht weniger als 700 Abbildungen sind in der gewichtigen Publikation eingebettet und bereichern das geschriebene Wort.
Und längst hat Meinrad Pizzinini, der 2010 den Ehrenring der Stadt Lienz verliehen bekam, das nächste große Projekt im Visier: die dritte Auflage des viersprachigen Stadtbuchs von Lienz.
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