Ölpest

Tiere kämpfen mit Ölschlamm nach Havarie in Bangladesch

Verklebte Vögel, Schlangen und Krabben: Im Mangrovenwald in Bangladesch kämpfen zahlreiche Tiere im Ölschlamm mit dem Tod.
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Tonnen von Heizöl schwappen durch einen geschützten Mangrovenwald in Bangladesch, seit dort ein Tanker sank. Zahlreiche Vögel, Otter und Schlangen sind verklebt, andere Tiere sind ganz verschwunden.

Dhaka – Nach der Havarie eines Öltankers im weltgrößten Mangrovenwald in Bangladesch kämpfen zahlreiche Tiere im Ölschlamm mit dem Tod. Bilder von verklebten Vögeln, Schlangen und Krabben waren am Montag in den Onlineausgaben lokaler Medien zu sehen. „Die Sundarbans vibrieren normalerweise vom Vogelgezwitscher, und alles ist voller Tiere. Nach dem Unglück fehlt das völlig“, sagte Farid Sheikh, ein örtlicher Bootsführer. Dicke Ölschichten lägen auf Bäumen, Sträuchern und Ufern.

Die Polizei nahm vier Menschen fest, die für die Ölpest mitverantwortlich sein sollen. Unter ihnen sei der Kapitän des Frachtschiffes, das vor einer Woche mit dem Öltanker zusammenstieß, sagte Polizeisprecher Manzur Kader. Unterdessen sei auch der Kapitän des Tankers gefunden worden; er trieb demnach tot im Fluss Shela.

Die meisten der 350.000 Liter Heizöl an Bord des Tankers waren ausgeflossen. Der schwarze Schleim habe sich inzwischen in 360 der 6.000 Quadratkilometer des bangladeschischen Sundarbans-Waldes ausgebreitet, teilten die lokalenForstbehörden mit. Die andere Hälfte des Mangrovenwaldes liegt in Indien.

Der Sundarbans-Nationalpark, der im Delta zahlreicher großer Flüsse liegt, ist Unesco-Weltnaturerbe. Dort leben Dutzende gefährdete Tierarten, darunter Königstiger und Tigerpythons. Am Wochenende war ein toter Irawadi-Delfin entdeckt worden. Bewohner der Gegend rund um den Unfallort berichteten, sie sähen seit dem Beginn der Ölpest kaum noch Delfine.

Derzeit ist die kommerzielle Schifffahrt in den Sundarbans vorübergehend ausgesetzt. Premierministerin Sheikh Hasina ordnete an, eine Alternativ-Route für die Frachter und Tanker auszubaggern. Umweltschützer forderten, sofort alle Schifffahrtsrouten durch den sensiblen Wald zu schließen. Der Aktivist Anu Mohammad sagte, es werde eine Demonstration in der Hauptstadt Dhaka gegen die seiner Meinung nach inadequate Reaktion der Regierung geben.

Nach Angaben der örtlichen Zeitung „Daily Star“ sind derzeit Menschen aus der Region mit 120 Booten unterwegs, um den Ölschlamm per Hand abzuschöpfen. In einem Leitartikel der Zeitung heißt es, die Regierung reagiere viel zu langsam, und die Zahl der Helfer sei „absolut unzureichend“ angesichts des verheerenden Unglücks. Die Regierung habe noch immer nicht entschieden, ob sie die Hilfe der Vereinten Nationen annehmen wolle. (dpa)