Möglicher Spionage-Skandal in Estland
Tallinn/Moskau (APA/AFP/ANSA) - Die Angaben eines mutmaßlichen Ex-Agenten des russischen Geheimdienstes FSB haben in Tallinn am Montag für p...
Tallinn/Moskau (APA/AFP/ANSA) - Die Angaben eines mutmaßlichen Ex-Agenten des russischen Geheimdienstes FSB haben in Tallinn am Montag für politische Nervosität und Aktivitäten der Sicherheitsbehörden gesorgt. Ein nach eigenen Angaben früher für den FSB tätiger Ex-Mitarbeiter der estnischen Geheimpolizei KaPo, Uno Puusepp, hatte davor in Moskau über die Medien „ausgepackt“ und dabei Namen mutmaßlicher weiterer Spione genannt.
Der estnische Innenminister Hanno Pevkur reagierte auf die Angaben zunächst empört und nannte die Angaben Puusepps am Montag „wahrscheinlich eine russische Medienkampagne. Am späten Nachmittag nahmen die estnischen Sicherheitsbehörden zwei mutmaßliche russische Spione fest. Es handelt sich um den Obmann der estnischen Afghanistan-Veteranen, Karl Paks und den ehemaligen italienischen EU-Parlamentarier und langjährigen Moskau-Korrespondenten, Giulietto Chiesa.
Puusepp hatte seine Angaben in einem am Sonntag vom Kreml-Sender NTV verbreiteten Programm gemacht - er habe zwischen 1996 und 2011 bei der KaPo als Techniker gearbeitet. In der Sendung sagte Puusepp unter anderem, er sei besonders glücklich darüber, geholfen zu haben, die Installation einer aufwendigen Abhöranlage im Auftrag des CIA in der russischen Botschaft verhindert zu haben.
Als Motiv für seine Entscheidung nannte der selbst erklärte Ex-Agent die Praxis des estnischen Geheimdienstes, zahlreiche estnische Staatsbürger nur wegen ihrer Zugehörigkeit zur russischen Sprachminderheit systematisch zu belauschen. Er habe gegen den estnischen Staat nur dort agiert, wo Estland sich selbst geschadet hätte, sagte Puusepp in dem Interview. In der Sendung kam auch ein weiterer angeblicher russischer Ex-Spion, Nikolai Ermakow, zu Wort.
Angesichts der Nennung zahlreicher sowohl in Estland als auch in Russland verurteilter und verdächtigter Ex-Geheimdienstler beider Seiten vermutete ein Experte der oppositionellen russischen Zeitung Novaja Gazeta, Pavel Felgenhauer, hinter dem Medienauftritt Puusepps und Ermakows könnte sich ein größerer Agentenaustausch zwischen dem Westen und Russland verbergen.
Die Verhaftung von Karl Paks durch den estnischen Inlandsgeheimdienst ISS am Montagnachmittag dürfte mit den Äußerungen Puusepps in Verbindung stehen. Laut einer Meldung von Interfax verfügte der FSB 20 Jahre lang über „einen Mann in Tallinn“. Ebenfalls eine Folge der Enthüllungen ist vermutlich die Festnahme des italienischen Ex-EU-Abgeordneten Giulietto Chiesa in der estnischen Hauptstadt Montagfrüh. Vonseiten der Behörden hieß es lediglich, Chiesa müsse das Land binnen 48 Stunden verlassen. Gründe für seine Festnahme wurden nicht genannt.
Die estnischen Behörden ermitteln auch gegen Puusepp wegen möglichen Geheimnisverrats. Es wäre nicht das erste Mal seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion, dass der estnische Sicherheitsapparat von einem massiven Geheimdienstskandal erschüttert wird.
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