Armee beendet Massaker in Schule: Mehr als 140 Todesopfer
Mehrere Bewaffnete stürmten eine Militärakademie und nahmen Schüler sowie Lehrer als Geiseln. Nun ist der Angriff beendet, alle Attentäter wurden durch Sicherheitskräfte getötet. Die Taliban rechtfertigten das Massaker mit Rache für Angriffe der Armee.
Peshawa - Bei einem Überfall der radikalislamischen Taliban auf eine Schule in Pakistan sind mehr als 140 Menschen getötet worden, darunter mindestens 132 Kinder. Es handelt sich um das schlimmste Massaker in dem Land seit vielen Jahren. Die Extremisten drangen nach Angaben eines Militärsprechers am Dienstag in die Einrichtung in Peshawar im Nordwesten des Landes ein und schossen wahllos um sich.
Malala: „Sinnloser und kaltblütiger Terrorakt“
Etwa acht Stunden später stürmten Sicherheitskräfte das Gebäude und töteten die Angreifer. Die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai sprach von einem „sinnlosen und kaltblütigen Terrorakt“. Sie war als Verfechterin des Rechts von Mädchen auf Bildung im Jahr 2012 selbst Ziel eines Taliban-Anschlags, den sie knapp überlebte.
Ministerpräsident Nawaz Sharif sprach von einer „nationalen Tragödie“. Ein Taliban-Sprecher sagte, die von der Armee betriebene Schule sei gezielt überfallen worden. Die Aktion sei Rache für das Vorgehen des Militärs, das in der Grenzregion zu Afghanistan eine Offensive gegen die Islamisten führt. „Wir haben die Armee-Schule für den Angriff ausgewählt, denn die Regierung geht gegen unsere Familien und Frauen vor. Sie sollen unseren Schmerz spüren.“
Erinnerungen an Beslan
Die pakistanischen Taliban kämpfen gegen die Regierung und für einen muslimischen Gottesstaat. Sie haben in den nördlichen Regionen des Landes ihr Rückzugsgebiet. Die Armee konnte die Extremisten trotz der seit Monaten anhaltenden Offensive und regelmäßiger Drohnenangriffe der USA nicht entscheidend schwächen.
Der Angriff auf die Schule erinnert an die Ereignisse von 2004 im russischen Beslan. Damals nahmen tschetschenische Extremisten Hunderte Geiseln in einer Schule. 330 Menschen wurden getötet, die Hälfte von ihnen Kinder.
Angreifer schossen wahllos um sich
Auch an der Schule in Peshawar spielten sich dramatische Szenen ab. Mehr als 1100 Menschen sollen sich in der Einrichtung befunden haben, darunter viele Kinder von Armeeangehörigen. Die Extremisten nahmen zunächst keine Geiseln, sondern schossen erst wahllos auf Burschen, Mädchen und Lehrer, wie ein Militärsprecher mitteilte. Die Angreifer trugen Sprengstoffwesten und waren ausgestattet, um mehrere Tage auszuharren. „Unsere Lehrer schlossen die Tür ab, und wir haben uns auf die Erde gelegt“, berichtete ein Schüler. „Aber sie (die Extremisten) haben die Tür aufgebrochen. Erst schossen sie in die Luft, dann begannen sie, Schüler zu töten.“
Als Soldaten die Schule stürmten, brachen in dem Gebäude Gefechte aus. Drei Explosionen waren zu hören. Draußen versuchten verzweifelte Eltern, die Absperrung der Armee zu durchbrechen und zu ihren Kindern zu gelangen. Über der Schule kreisten Hubschrauber. Krankenwagen rasten zum Tatort und brachten Verletzte in Kliniken.
Alle Angreifer getötet
Neben den 132 Kindern kamen auch neun Angestellte ums Leben. 121 Schüler und drei Mitarbeiter wurden Behörden zufolge verletzt. In den Krankenhäusern hieß es, die Patienten seien zwischen 10 und 20 Jahre alt. Alle neun Taliban-Angreifer seien tot, teilte die Armee nach dem Einsatz mit. Ob die Opfer durch die Kugeln der Angreifer, durch Bomben oder durch Soldaten ums Leben kamen, war unklar. Etwa 960 Menschen wurden nach Angaben des Militärs gerettet.
Ministerpräsident Sharif machte sich auf den Weg nach Peshawar. „Dies sind meine Kinder“, sagte er. „Es ist mein Verlust, es ist ein Verlust für die Nation.“ Malala erklärte von Großbritannien aus, der Angriff breche ihr das Herz. „Ich verurteile diese grauenhaften und feigen Taten“, sagte die 17-Jährige. Die US-Regierung versicherte Pakistan ihre Unterstützung im Kampf gegen die Extremisten zu. (APA/Reuters)
Tehrik-e-Taliban: Militante Islamisten in Pakistan
Der blutige Machtkampf zwischen den Taliban und der pakistanischen Regierung tobt seit Jahren. Im Kampf gegen den Terrorismus gilt Pakistan den Extremisten als Verbündeter des Westens. Mit Terror versuchen die selbst ernannten „Gotteskrieger“, das Land zu destabilisieren und die islamische Rechtsordnung Scharia einzuführen.
Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) nennt sich die 2007 gegründete Dachorganisation von mindestens einem Dutzend militanter Gruppen, die Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida haben. „Das Ziel unseres Kampfes ist, dem Gesetz Allahs in seinem Land und Volk Geltung zu verschaffen“, sagte TTP-Chef Mullah Fazlullah in einer Videobotschaft im Mai 2014.
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