Wirtschaftspolitik

Russland: Drastische Zinsanhebung soll Rubel-Verfall stoppen

Russlands Präsident Wladimir Putin.
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Nach der Entscheidung der Notenbank Moskaus legte der Rubel zuerst kräftig zu, das Plus verschwand teilweise jedoch wieder. Die russische Wirtschaft wird von der Ukraine-Krise und den westlichen Sanktionen infolge der Politik des Kremls belastet.

Moskau – Das von westlichen Sanktionen und Ölpreis-Verfall gebeutelte Russland stemmt sich mit einer drastischen Zinserhöhung gegen Rubel-Verfall und drohende Rezession. Die Zentralbank hob in der Nacht zu Dienstag in einem unerwarteten Schritt den Zinssatz von 10,5 auf 17 Prozent an.

„Die Entscheidung zielt darauf ab, die erhöhten Risiken einer Rubelabwertung und einer Inflation wesentlich zu begrenzen“, hieß es zur Begründung. Am Devisenmarkt legte der Rubel zum Dollar daraufhin kräftig zu, nachdem er am Montag auf den tiefsten Stand aller Zeiten abgesackt war. „Das war definit ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte der Finanzexperte Jorge Mariscal von UBS Wealth Management. „Das zeigt, dass sie ernsthaft besorgt sind, mit welcher Geschwindigkeit der Rubel nachgibt.“

Ein Dollar kostete am Vormittag bis zu 66,8 Rubel und erreichte damit ein neues Rekordhoch. Auch zum Euro konnte der Rubel erst stark zulegen, die Gewinne verschwanden aber wieder. Zuletzt verlor der Rubel zu Dollar und Euro etwa zweieinhalb Prozent an Wert.

Talfahrt beschleunigte sich immer mehr

Die Talfahrt der russischen Währung hatte sich am Montag aus Furcht vor einer Verschärfung von Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise und wegen des weiteren Ölpreis-Verfalls beschleunigt.

„Es schwirren Gerüchte herum, dass das Land in die Zustände des Krisenjahres 1998 zurückfallen könnte“, sagte Alena Afanasjewa vom Forex Club in Moskau. 1998 hatte massive Kapitalflucht eine tiefe Wirtschaftskrise ausgelöst, in der die Landeswährung ins Trudeln geriet. Das Land musste letztlich mit Milliardenkrediten des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank stabilisiert werden.

Die Zentralbank stellt den Banken zudem künftig mehr Devisen bereit. Das Limit für den Zeitraum von 28 Tagen wurde von 1,5 auf fünf Milliarden Dollar erhöht.

Wirtschaft schrumpft um mehrere Prozent

Der Ausblick für Russlands Wirtschaft hat sich seit dem Sommer merklich eingetrübt. Die Notenbank in Moskau schätzt, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen dürfte, wenn der Ölpreis im Schnitt bei 60 Dollar pro Barrel (159 Liter) liegt. Auf diesem Niveau hatte sich der Preis bereits in den vergangenen Tagen bewegt.

Den russischen Präsidenten Wladimir Putin stellt die Entwicklung vor große Herausforderungen. Seine Popularität beruht nicht zuletzt auf dem Versprechen von Stabilität und Wohlstand.

Die bisherigen Strafmaßnahmen des Westens schlagen aber stark auf die russische Wirtschaft durch. Die Konjunktur ist eingebrochen. Investoren ziehen Milliarden Dollar ab. Russische Firmen haben nur noch beschränkten Zugang zum internationalen Kapitalmarkt. Zudem macht Russland der um bald 50 Prozent eingebrochene Ölpreis schwer zu schaffen: Die Wirtschaft des Landes ist stark von Öl- und Gasexporten abhängig.

USA überlegt schärfere Strafmaßnahmen

In den USA gibt es zudem Bestrebungen, die Strafmaßnahmen gegen Russland noch zu verschärfen. Nach den Plänen des US-Kongresses sollen neue Sanktionen russische Rüstungsfirmen und ausländische Investoren in der russischen Ölindustrie treffen. Der Gesetzentwurf liegt bei US-Präsident Barack Obama, ohne dessen Unterschrift das Vorhaben nicht in Kraft treten kann. Obama hatte sich zuletzt vor Wirtschaftsvertretern aber zurückhaltend geäußert.

Der Westen wirft Russland vor, die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine auch militärisch zu unterstützen und das Land destabilisieren zu wollen. Russland weist die Kritik zurück. Zudem erkennt der Westen die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland nicht an. (tt.com, APA/Reuters/dpa)