Medien: Renzi will Prodi-Kandidatur für Präsidentenamt unterstützen

Rom (APA) - In Italien beginnt die Suche nach einem neuen Präsidenten, der die Nachfolge des seit 2006 amtierenden Staatsoberhaupts Giorgio ...

Rom (APA) - In Italien beginnt die Suche nach einem neuen Präsidenten, der die Nachfolge des seit 2006 amtierenden Staatsoberhaupts Giorgio Napolitano antreten soll. Als möglicher Kandidat gilt Ex-EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, der am Montagnachmittag ein zwei Stunden langes Gespräch mit Premier Matteo Renzi im Regierungssitz in Rom geführt hat.

Das Gespräch wird von italienischen Beobachtern als Signal der Bereitschaft Renzis bewertet, die Kandidatur des 75-jährigen Ex-Premiers zu unterstützen. Renzi muss jedoch den Widerstand von Silvio Berlusconi, Chef der konservativen Oppositionspartei Forza Italia, überwinden, der sich hartnäckig gegen Prodis Kandidatur stemmt. Der Mitte-links-Politiker ist seit Jahren ein Erzrivale des Medienzaren.

Napolitanos Büro hatte vor zwei Wochen mitgeteilt, dass der 89-Jährige nach dem Ende der italienischen EU-Ratspräsidentschaft mit Jahresende über seinen Rücktritt entscheiden werde. In den Machtzentralen am Tiber gilt die Stellungnahme als Bestätigung dafür, dass das Staatsoberhaupt Ende Dezember zurücktreten wird. Italienische Medien spekulieren, der Präsident könnte den Schritt in seiner Neujahrsansprache verkünden. Napolitano ist bis zum Jahr 2020 gewählt. Er trat erst im Vorjahr - als erster Präsident in der Geschichte Italiens - eine zweite siebenjährige Amtszeit an. Er hat aber bereits erklärt, nicht für die gesamte Zeit zur Verfügung zu stehen.

Vor diesem Hintergrund suchen die italienischen Parteien nun nach einem Nachfolgekandidaten. Berlusconi unterstützt die Kandidatur des ehemaligen Regierungschefs Giuliano Amato. Als Alternative wird auch EZB-Präsident Mario Draghi genannt. Dieser sei jedoch zur Übernahme dieses Amtes nicht bereit, berichtete Berlusconi. Spekuliert wird über die Möglichkeit, dass erstmals in der italienischen Geschichte eine Frau Staatsoberhaupt wird. Als mögliche Kandidatin gilt die Linkspolitikerin Anna Finocchiaro, Präsidentin des Verfassungsausschusses im Senat.

Napolitano, seit einem halben Jahrhundert Schwergewicht der italienischen Linken und erster ehemaliger Politiker der Kommunistischen Partei an der Spitze des italienischen Staates, ist ein Hauptakteur der italienischen Politik mit Geschick und viel Talent. Es wird daher nicht einfach sein, in Rom einen Nachfolger zu finden, der einen breiten parteiübergreifenden Konsens im Parlament erhält. Weil sich die italienischen Parteien im April 2013 über die Wahl eines Nachfolgers nicht einigen konnten, war Napolitano für ein zweites Mandat wiedergewählt worden.