Vorsitzender warnt vor politischer Umfärbung von Nobelkomitee

Oslo (APA) - Der derzeitige Vorsitzende des Osloer Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, will seinen Posten nicht ohne Widerstand räumen. Der So...

Oslo (APA) - Der derzeitige Vorsitzende des Osloer Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, will seinen Posten nicht ohne Widerstand räumen. Der Sozialdemokrat Jagland bezeichnete seine offenbar Ende kommenden Jahres geplante Ablöse von dem Posten in einem Gastartikel in der Tageszeitung „Aftenposten“ (Dienstag-Ausgabe) als politisch motiviert.

Der scheidende Direktor des Nobelinstituts in Oslo, das für die Vergabe des jährlichen Friedensnobelpreises zuständig ist, Geir Lundestad, hatte Jagland kritisiert und zuletzt auch gemeint, ehemalige Regierungschefs und Ex-Außenminister sollten generell nicht im Komitee für den Friedensnobelpreis sitzen.

Lundestad begründete dies damit, dass Ex-Regierungsmitglieder mit so ausgeprägtem politischen Hintergrund Zweifel an der Wahrnehmung des Komitees als unabhängige Institution in der Öffentlichkeit schüren würden. Im September war über die Medien bekannt geworden, dass die Regierung in Oslo die Ablöse Jaglands nach Ablauf seiner Mandatsperiode Ende 2015 plant.

Hauptargument war damals die angebliche Unvereinbarkeit Jaglands mit seiner Funktion als Generalsekretär des Europarats. Jagland wurde erst im Juni dieses Jahres für weitere fünf Jahre als Generalsekretär des Europarats wiedergewählt.

In seinem Gastkommentar vom Dienstag argumentierte Jagland, dass die Komitee-Mitglieder vom Parlament auserkoren würden. International umstrittene Entscheidungen wie die Zuerkennung des Friedensnobelpreises 2010 an den chinesischen Dissidenten Liu Xiabo bedürften umso mehr demokratischer Rückendeckung. Kritik an der damaligen Entscheidung war 2010 vor allem vonseiten mächtiger norwegischer Wirtschaftsvertreter gekommen.