DIW: Deutsche Wirtschaft würde Rezession in Russland spüren

Berlin (APA/Reuters) - Eine schwere Rezession in Russland würde nach Ansicht des DIW-Instituts auch den Aufschwung in Deutschland bremsen. W...

Berlin (APA/Reuters) - Eine schwere Rezession in Russland würde nach Ansicht des DIW-Instituts auch den Aufschwung in Deutschland bremsen. Wenn die russische Wirtschaft im nächsten Jahr um rund fünf Prozent schrumpfen würde, dann würde auch die Wirtschaft hierzulande weniger stark wachsen als bisher erwartet, erklärten die Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch.

Das Bruttoinlandsprodukt würde um 0,1 oder 0,3 Prozentpunkte langsamer steigen, sagte DIW-Experte Ferdinand Fichtner. „Das hätte aber keinen massiven Einbruch der deutschen Konjunktur zur Folge.“ Derzeit erwarten die Berliner Forscher 2015 ein Wachstum von 1,4 Prozent, nach 1,5 Prozent in diesem Jahr. 2016 rechnen sie mit einem Plus von 1,7 Prozent.

„Die Risiken sind aber enorm“, räumte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Grund sei neben den wirtschaftlichen Turbulenzen in Russland die Tatsache, dass der Euro-Raum konjunkturell nicht richtig vom Fleck komme. Für Schwung sorge hingegen die Binnenwirtschaft in Deutschland, da vor allem die Verbraucher mit ihren Konsumausgaben die Konjunktur ankurbelten. Die Bürger profitieren laut DIW von steigenden Löhnen und einer - auch wegen des sinkenden Ölpreises - niedrigen Inflation. „Wir haben die höchsten Reallohnzuwächse seit der Wiedervereinigung“, sagte Fichtner.

Wegen des niedrigen Ölpreises dürften auch die Importpreise sinken. In der Folge erwartet das DIW einen Anstieg des Leistungsbilanzüberschusses von 7,5 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft. Dieser Werte werde im nächsten und übernächsten Jahr sogar bei 8,0 Prozent liegen. „Das ist ein unglaublich starker Anstieg“, sagte Fratzscher. „Da wird Deutschland sicher wieder Kritik einstecken müssen.“ Die EU-Kommission stuft Werte von dauerhaft mehr als sechs Prozent als Gefahr für die Finanzstabilität ein. Sie gelten auch als Ursache für Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft.