Rituelles in Perfektion
Am Freitag spielt das Techno-Trio „Elektro Guzzi“ in Innsbruck. Ein Gespräch mit Gitarrist Bernhard Breuer über Maschinelles, Schlagworte und Kitsch.
Ihr habt viel Aufmerksamkeit dadurch generiert, dass ihr Techno mit echten Instrumenten spielt. Was ist das Konzept dahinter?
Bernhard Breuer: Das war weder technisch, theoretisch noch dogmatisch. Der Jakob (Schneidewind, Bassist von Elektro Guzzi, Anm.) und ich sind einfach ziemlich in den Techno reingekippt und wir hatten keine Ahnung vom Auflegen und haben auch keine Plattenspieler oder Synthesizer und Drum-Machines gehabt. Und dann haben wir uns gesagt, spielen wir das halt einfach. Wir sind voll auf die Musik abgefahren und wollten das einfach machen. So haben wir uns hingetastet und langsam Spielweisen entwickelt, die dieser Musik entsprechen.
Beim aktuellen Album „Observatory“ wurden nun erstmals im Nachhinein Spuren hinzugefügt.
Breuer: Mit „Observatory“ wollten wir dieses Mensch-Maschine-Schlagwort ein bisschen abschütteln. Dieses Mensch-Maschine-Ding hat sich irgendjemand vom Label für den Pressetext ausgedacht, das hat sich irgendwie verselbstständigt. Das Maschinelle war auch gar nicht die Idee unserer Band. Uns hat das Rituelle immer mehr interessiert.
Die letzten drei Alben habt ihr mit Musikproduzent Patrick Pulsinger aufgenommen, diesmal wurde im Alleingang produziert.
Breuer: Das ist halt auch eine Budgetfrage. Mehr als zwei Wochen mit Patrick im Studio zu arbeiten, kann man sich schwer leisten. Da wir uns über die Jahre die Recordingskills angeeignet haben, war die Herausforderung, das Ganze jetzt im Alleingang zu machen.
Wie lief die Arbeit im eigenen Studio?
Breuer: Wir hatten unbegrenzt Zeit, um an dem Material zu arbeiten. Darum haben wir viel ausprobiert, das erste Mal auch mit Overdubs experimentiert, das heißt, Spuren hinzugefügt und das Ganze im Nachhinein noch ein bisschen arrangiert. Bei den drei Alben zuvor waren wir immer unter Zeitdruck und haben das in einer Woche aufgenommen, dieses Mal haben wir uns vier Monate Zeit gelassen.
Ihr habt den Ruf, endlos zu proben und zu experimentieren, musstet ihr euch eine Deadline setzen?
Breuer: Das ist genau das Problem! Durch die unbegrenzte Zeit passiert es, dass man sich ein bisschen im Detail verliert, aber wir hatten vom Label einen Abgabedruck. Hätten wir keine Deadline im Mai gehabt, würden wir vielleicht jetzt noch dran sitzen. Wir sind schon ein bisschen Perfektionisten, normal sind wir jeden Tag im Proberaum.
Auf „Observatory“ klingt Elektro Guzzi organischer, es gibt Ansätze von Melodien.
Breuer: Wir werden auf jeden Fall immer harmonischer. Das Interesse für Techno kam durch die Minimal Music, weil wir ein bisschen in dieser Experimentalmusik drinnen waren. Das haben wir dann im Techno wiederentdeckt. Wir haben versucht, so wenig wie möglich harmonisch, sondern eher sehr abstrakt zu spielen. Auf „Observatory“ haben wir uns nun rangetraut, so zu arbeiten. Kitschige Harmoniefolgen und so Zeug, gegen das wir uns im Vorfeld ein bisschen verwehrt haben, das haben wir jetzt einfach ausprobiert und das hat uns gefallen. Deswegen klingt das vielleicht auch ein bisschen organischer, das hat jetzt schon ein bisschen mit Liedstrukturen zu tun.
Ihr habt euch für das Album auch von Rootsmusik inspirieren lassen.
Breuer: Musik als etwas Rituelles zu sehen, hat uns alle drei schon immer fasziniert. Vor zwei Jahren haben wir mit kubanischen Musikern beim „Glatt&Verkehrt“-Festival gespielt, das war so das erste Eintauchen in etwas, wie man Musikmachen ganz anders auffassen kann. Musik als wichtigeren Teil vom Leben zu sehen, der ganz normal dazugehört. Die Beschäftigung mit afrikanischen und afrokubanischen Klängen ist der Einfluss, der jetzt so langsam in Elektro Guzzi einfließt.
Seit 2012 spielt Elektro Guzzi regelmäßig auf großen Musikfestivals, von Roskilde bis Sonar. Wo fühlt ihr euch wohler? Auf einer großen Bühne oder in kleinen Clubs wie in der p.m.k?
Breuer: Ich persönlich mag es lieber, wenn es kleiner und persönlicher ist, als auf so einem riesigen Festival zu spielen, wo man keinen ein zweites Mal trifft. Bei einem Riesenfestival ist die Bühne auch sehr weit weg vom Publikum. Und auch wenn die Leute total abgehen, ist es schwierig, den Kontakt herzustellen. Aber es hat natürlich beides seinen Reiz. Wir haben jetzt gerade in Tschechien in so kleinen Clubs gespielt, das war lustig.
Die Fragen stellte Silvana Resch
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