Neue Nahost-Initiative im UNO-Sicherheitsrat

New York (APA/dpa/Reuters) - Gegen den Widerstand Israels und der USA haben die PalÀstinenser beim UN-Sicherheitsrat den Entwurf einer Resol...

New York (APA/dpa/Reuters) - Gegen den Widerstand Israels und der USA haben die PalĂ€stinenser beim UN-Sicherheitsrat den Entwurf einer Resolution eingebracht, die den Weg fĂŒr einen unabhĂ€ngigen PalĂ€stinenserstaat ebnen soll. Offiziell hat Jordanien eine Resolution zur Abstimmung vorgelegt, in der Israel zum Abzug aus den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten bis Ende 2017 aufgefordert wird.

Außerdem wird in dem am Mittwoch eingebrachten Dokument von Israel und den PalĂ€stinensern verlangt, binnen eines Jahres Frieden zu schließen. Wann es zu einer Abstimmung ĂŒber die Resolution kommt, ist noch offen.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman sprach nach Medienberichten am Donnerstag von einem „weiteren aggressiven Schritt der PalĂ€stinenser“. Israel lehnt es ab, dass die PalĂ€stinenser einseitig vorgehen und sich erneut an den Sicherheitsrat wenden. Aus Sicht Israels kann ein unabhĂ€ngiger PalĂ€stinenserstaat erst nach Abschluss eines Friedensvertrages ausgerufen werden.

Über den Entwurf kann das Gremium innerhalb von 24 Stunden abstimmen, es wird jedoch damit gerechnet, dass die Abstimmung zunĂ€chst verschoben wird. Die Verhandlungen ĂŒber den Text der Resolution könnten nach Angaben aus Diplomatenkreisen auch Tage oder Wochen dauern. Die jordanische UN-Botschafterin Dina Kawar Ă€ußerte die Hoffnung, dass der Sicherheitsrat zu einer einstimmigen Entscheidung komme.

Entscheidend wird das Abstimmverhalten der USA sein, die bisher fast jede gegen Israel gerichtete Resolution mit ihrem Veto verhindert haben. Ein im Oktober inoffiziell im Sicherheitsrat vorgelegter Entwurf forderte ein Ende der israelischen Besetzung palĂ€stinensischer Gebiete bis November 2016. Die USA und andere Staaten fanden diesen Entwurf aber inakzeptabel. Hinsichtlich des neuen Entwurfs sagte US-Außenminister John Kerry am Dienstag, sein Land habe bisher noch keine Entscheidung getroffen.

Die PalĂ€stinenser erhoffen sich nach EinschĂ€tzung von Beobachtern mehr UnterstĂŒtzung von neuen Mitgliedern des Sicherheitsrats wie Venezuela und Malaysia und wĂŒrden daher eine Abstimmung im neuen Jahr bevorzugen. Ein Veto der USA gilt jedoch als wahrscheinlich.

Das unter anderem mit Frankreichs Hilfe entworfene Papier sieht unter anderem einen kĂŒnftigen Grenzverlauf entlang der Linien vor dem Sechstagekrieg von 1967 vor, mit „einem begrenzten, gleichwertigen Landtausch in gegenseitigem EinverstĂ€ndnis“, Sicherheitsvereinbarungen sowie den Status Jerusalems als gemeinsame Hauptstadt der beiden Staaten Israel und PalĂ€stina.

Israel hat eine Zwei-Staaten-Lösung akzeptiert, lehnt es aber ab, die Grenzen von 1967 als Grundlage fĂŒr Verhandlungen anzuerkennen.

Lieberman warnte, ein einseitiger Schritt der Vereinten Nationen (UN) wĂŒrde die GrĂ€ben in dem Konflikt nur noch vertiefen. „Es wĂ€re besser, wenn sich der Sicherheitsrat mit Dingen beschĂ€ftigen wĂŒrde, die wirklich wichtig sind fĂŒr die Menschen, wie die mörderischen Angriffe diese Woche in Australien und Pakistan. Oder wenn er ĂŒber die VorgĂ€nge in Syrien und Libyen diskutieren wĂŒrde, anstatt die Zeit mit dem palĂ€stinensischen Schnickschnack zu vergeuden.“

Der palĂ€stinensische Chefdiplomat Riyad Mansour sagte am Mittwochabend in New York, man sei weiter offen fĂŒr Friedensverhandlungen. „Wir bewegen uns vorwĂ€rts“, sagte Mansour. Der palĂ€stinensische Außenminister Riyad Al-Maliki betonte, man habe den ursprĂŒnglichen Text mithilfe Frankreichs verĂ€ndert. Der Entwurf solle „sich mit allen Problemen bei den Friedensverhandlungen in den letzten 20 Jahren befassen“, sagte er dem palĂ€stinensischen Rundfunk. Der beste Weg sei es gegenwĂ€rtig, Fristen fĂŒr FriedensgesprĂ€che und ein Ende der Besatzung festzulegen, „weil direkte Verhandlungen sich bisher als nutzlos erwiesen haben“.

Nunmehr gelte es, auch die USA fĂŒr diesen Entwurf zu gewinnen, sagten palĂ€stinensische Diplomaten. US-Außenminister John Kerry hatte PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmoud Abbas mehrmals um Aufschub der Initiative gebeten. Zuletzt sprach er sich dafĂŒr aus, den palĂ€stinensischen Vorstoß bis nach den Wahlen in Israel im MĂ€rz zu verschieben. Kerry bemĂŒht sich weiterhin um eine Wiederaufnahme der im April abgebrochenen FriedensgesprĂ€che zwischen Israel und den PalĂ€stinensern.

~ WEB http://www.un.org/en/ ~ APA197 2014-12-18/11:15