Peinlich: „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ als Stück in Zürich

Zürich (APA/sda) - Im Erfolgs-Film „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ (1972) hat Luis Bunuel spitz-satirisch mit der Upperclass abgerechn...

Zürich (APA/sda) - Im Erfolgs-Film „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ (1972) hat Luis Bunuel spitz-satirisch mit der Upperclass abgerechnet. Am Zürcher Schauspielhaus hatte am Donnerstag Sebastian Nüblings Inszenierung des Stoffes Premiere. Was er mit der Inszenierung des Filmklassikers auf der Pfauenbühne abgeliefert hat, strotzt nur so vor peinlicher Beliebigkeit.

Luis Bunuels filmische Attacke auf die noble High Society und deren irritierendes Understatement ist hinreißendes, hochraffiniertes, perfektes Kino. Darin werden Bourgeois auf der Suche nach einem gediegenen Essen vorgeführt. Das Unternehmen will ihnen nicht gelingen, denn dauernd kommt was dazwischen: falsches Datum, toter Wirt, Sex and Crime, eine Soldatenhorde. Der diskreten Nobelgesellschaft ist das ziemlich egal; aus der Ruhe lässt sie sich nicht bringen.

Im Pfauen hat Muriel Gerstner nun auf einer Art Plattenteller eine schlichte, lämpchenglitzernde Varietébühne gebaut - hübsch anzusehen, auf die Dauer aber zu monoton. Hier treten nun die Bourgeois mimenden Schauspielerinnen und -spieler auf. Und was tun sie? Sie tänzeln, sagen (oft schlecht verständlich) Text auf, wackeln mit dem Hintern und schneiden Grimassen. So. Ganze fünfviertel Stunden lang.

Warum tänzeln sie? In Bunuels Film marschiert die Gesellschaft zwischen einzelnen Szenen immer wieder auf einer endlosen Landstraße. Da hat es bei Nübling Klick gemacht: marschieren gleich tanzen, fertig ist das ganze Regiekonzept. Nach fünf Minuten hat man es begriffen und kämpft fortan mit dem Schlaf.

Das kann nicht mal mehr eine so hervorragende Schauspielerin wie Susanne-Marie Wrage retten. Sie erhält als schlecht behandeltes Dienstmädchen die Gelegenheit, an der Rampe einen klassenkämpferischen Monolog zum Besten zu geben. Im Tralala dieser Inszenierung verpufft er freilich grandios. Aber auch die übrigen Schauspielerinnen und -spieler dürfen sich lediglich tapfer abrackern. Nur ganz selten gelingt dem einen oder der andern ein kurzes künstlerisches Bravourstück.

Und das Zürcher (Nobel-)Publikum? Schaut man sich Bunuels Film an, kommt einem auch heute noch unweigerlich der Gedanke, das darin entworfene Gesellschaftsbild könnte bestens zu ihm passen. Doch diesen bösen Gedanken darf das Publikum im Pfauen getrost von sich weisen, so harmlos kommt daher, was auf der Bühne geboten wird. Und so gibt es denn durchaus einige Lacher und am Schluss einen beinahe entfesselten Applaus. Vielleicht war es auch ein Zeichen der Erleichterung, dass die dürftige Show zu Ende war.