Causa Aliyev - Ganzger stellt Kammerfunktion Prochaskas infrage

Wien (APA) - Neue Runde im Anwältestreit rund um die Causa Aliyev. Opferanwalt Gerald Ganzger hat am Freitag gegenüber der APA die Kammerfun...

Wien (APA) - Neue Runde im Anwältestreit rund um die Causa Aliyev. Opferanwalt Gerald Ganzger hat am Freitag gegenüber der APA die Kammerfunktion des Aliyev-Anwalts Stefan Prochaska infrage gestellt, weil dieser im Spionageverfahren gegen Gabriel Lansky „die Aufweichung des Anwaltsgeheimnisses“ gefordert habe. Der Vizepräsident der Wiener Rechtsanwaltskammer handle so „gegen die Interessen des Anwaltsstandes“.

Wie das Redaktionsgeheimnis sei auch das Anwaltsgeheimnis „ein Grundpfeiler der Demokratie“, betonte Ganzger. „Wenn Dr. Prochaska als Vizepräsident der Wiener Rechtsanwaltskammer gegen die Interessen des Anwaltsstandes vorgeht, muss er selbst wissen, ob das mit seiner Funktion als Standesvertreter vereinbar ist.“

Prochaska hatte es in einem APA-Interview als „Absurdität“ bezeichnet, dass die Wiener Justiz das Anwaltsgeheimnis auch dann als gültig ansehe, wenn der Anwalt selbst der Beschuldigte in einem Verfahren sei. Prochaska wollte im Spionageverfahren gegen Ganzgers Kanzleipartner Lansky auch dessen Mitarbeiter einvernommen sehen, was das Landesgericht für Strafsachen Wien Ende Oktober abgelehnt hat. Prochaska argumentiert, dass das Anwaltsgeheimnis die Mandanten schützen solle, nicht aber die Rechtsanwälte.

„Ich bin fassungslos, dass der Vizepräsident der Wiener Rechtsanwaltskammer die Aufweichung des Anwaltsgeheimnisses fordert, nur weil er glaubt, damit ein paar Meter für seinen Mandanten machen zu können“, empört sich Ganzger über seinen Kollegen. Noch im Vorjahr habe die Wiener Rechtsanwaltskammer in einer von Prochaska unterschriebenen Stellungnahme bestätigt, dass auch EDV-Mitarbeiter einer Kanzlei dem Anwaltsgeheimnis unterliegen. Nun behaupte er plötzlich das Gegenteil, „weil es in den Kram seines Mandanten passt“.