Ölpreis-Verfall: EZB warnt vor Deflation
Zur Abwehr einer Deflation müsse die Europäische Zentralbank alle geldpolitischen Instrumente nutzen, die ihr zur Verfügung stünden, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio.
Frankfurt - Der Ölpreisverfall schürt bei der Europäischen Zentralbank Sorgen vor einer Deflation in der Euro-Zone. „Kurzfristig schafft dies eine nicht einfache Situation für uns“, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio der „Wirtschaftswoche“. Seit Erarbeitung der jüngsten Inflationsprognosen der EZB sei der Ölpreis um weitere 15 Prozent gefallen.
„Wir rechnen nun mit einer negativen Inflationsrate in den kommenden Monaten. Das ist eine Sache, die sich jede Zentralbank sehr genau anschauen muss.“ Einige Monate mit negativer Teuerung bedeuteten zwar noch keinen als Deflation bezeichneten Preisverfall auf breiter Front. Es bestehe aber die Gefahr, dass die Inflationserwartungen nicht mehr verankert seien und Verbraucher und Unternehmen Kaufentscheidungen aufschieben. Dann könne es zu einer Abwärtsspirale bei den Preisen kommen und die Wirtschaft in eine Deflation und Rezession rutschen.
Zur Abwehr einer Deflation müsse die Europäische Zentralbank alle geldpolitischen Instrumente nutzen, die ihr zur Verfügung stehen, bekräftigte Constancio. Eine Option sei dabei auch der umstrittene Kauf von Staatsanleihen. „Das ist ganz legal. Und was legal ist, schließen wir nicht aus“, fügte der Portugiese hinzu. Es gebe gleichwohl bei der EZB „keine Obsession, unbedingt Staatsanleihen zu kaufen“. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt die Tür für einen solchen Schritt weit geöffnet, um Konjunktur und Teuerung anzuschieben. Die deutsche Bundesbank lehnt ein solches Vorgehen ab und verweist auf Risiken und Nebenwirkungen einer solchen Geldpolitik. Die EZB entscheidet das nächste Mal am 22. Jänner über ihren weiteren Kurs. (APA/Reuters)
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