Wissenschaftsjahr 2015: Licht, Jubiläen und neue Welten 1

Wien (APA) - Das Wissenschaftsjahr 2015 leuchtet hell - es wurde zum „Jahr des Lichts“ erklärt. Wie passend, dass die 1915 präsentierte Allg...

Wien (APA) - Das Wissenschaftsjahr 2015 leuchtet hell - es wurde zum „Jahr des Lichts“ erklärt. Wie passend, dass die 1915 präsentierte Allgemeine Relativitätstheorie mit Licht bewiesen wurde. Auch am aufgerüsteten Teilchenbeschleuniger LHC geht wieder das Licht an. Im All könnte mehr Licht den Kometenlander „Philae“ wieder aufwecken, während Licht der Zwergplaneten Ceres und Pluto auf zwei NASA-Sonden trifft.

Die Vereinten Nationen haben 2015 zum „Internationalen Jahr des Lichts und der Lichttechnologien“ erklärt, um die zentrale Bedeutung von Licht in Wissenschaft und Kultur bewusst zu machen. Allein die lichtbasierten technologischen Anwendungen, von der Medizin über die Kommunikationstechnologie bis zur nachhaltigen Energie, würden enorme wirtschaftliche Impulse setzen, begründet man die Initiative. Auch in Österreich wird es dazu Veranstaltungen geben, etwa ab Mitte Juni eine Ausstellung im Museum der Universität Graz über verschiedene Aspekte zum Thema Licht.

Eine im Herbst in Wien geplante Ausstellung verbindet gleich mehrere Anlässe: „Einstein/Wellen/mobil“, eine Wanderausstellung des deutschen Sonderforschungsbereichs „Gravitationswellenastronomie“, passt nicht nur zum „Jahr des Lichts“, sondern auch zum 100. Jahrestag der erstmaligen Präsentation von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie (ART). Organisiert wird die Schau von der Akademie der Wissenschaften und zwei Unis, die selbst 2015 runde Jubiläen feiern: Die Uni Wien wird im März 650 Jahre alt, die Technische Universität (TU) Wien begeht im November den 200. Jahrestag ihrer Gründung. Das Jubiläums-Trio komplett macht die Veterinärmedizinische Universität, die 2015 ihr 250-jähriges Bestehen feiert.

Einstein war im November 1915 soweit, mit der Allgemeinen Relativitätstheorie (ART) die Erweiterung seiner Speziellen Relativitätstheorie in der Preußischen Akademie der Wissenschaften vorzutragen. Veröffentlicht wurde die Arbeit dann im März 1916 in den „Annalen der Physik“. Und es sollte noch bis November 1919 dauern, ehe mithilfe einer Sonnenfinsternis Einsteins Theorie bewiesen wurde: Sterne am Sonnenrand erwiesen sich von der Erde aus gegenüber ihren normalen Positionen als verschoben - weil ihr Licht durch die Anziehungskraft der Sonne abgelenkt wird.

Dass Raum und Zeit durch Gravitation beeinflusst werden, führt zu einer weiteren Vorhersage der ART: der Existenz von Gravitationswellen. Seit langem bemüht man sich vergeblich, diese direkt nachzuweisen. Voraussichtlich Mitte 2015 wird mit „LISA Pathfinder“ ein Satellit der europäischen Weltraumorganisation ESA zur Vorbereitung der für 2034 geplanten Mission LISA (Laser Interferometer Space Antenna) starten, mit der Gravitationswellen im Weltall nachgewiesen werden sollen. Mit einer nach Aufrüstung deutlich gesteigerten Empfindlichkeit macht man sich ab Ende 2015 auch am Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory (LIGO) mit seinen Detektoren in Richland (US-Bundesstaat Washington) und Livingston (Louisiana) wieder auf die Suche nach Gravitationswellen.

Der Weltraum hat 2015 einige weitere spektakuläre Ereignisse zu bieten: Die europäische Raumsonde „Rosetta“ wird das ganze Jahr über ihren Zielkometen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ begleiten, der im August seinen sonnennächsten Punkt und damit auch seine höchste Aktivität erreichen wird. Die Annäherung an die Sonne wird möglicherweise auch der im Schatten gelandeten und deshalb aus Strommangel entschlafenen Landeeinheit „Philae“ wieder genug Licht und damit Energie für weitere Aktivitäten liefern.