Unzufriedenheit über „tote Hose“ im Dorf an der Grenze
Das simple Facebook-Posting „Sillian ist tot“ rief in drei Tagen über hundert Reaktionen hervor. Der Bürgermeister wiegelt ab.
Von Catharina Oblasser
Sillian –„Bin gerade eine Runde durch Sillian gefahren und habe festgestellt: Sillian ist tot!“ Dieser kurze Facebook-Eintrag des Musikers und Musikproduzenten Manfred Gardener über den menschenleeren Ortskern mitten in der Weihnachtssaison erzeugte eine Lawine von Rückmeldungen. Mehr als 100 Postings innerhalb von drei Tagen widmeten sich dem Thema „tote Hose“. Vergleiche mit dem regen Gedränge in den Südtiroler Nachbarorten wurden gezogen, die Infrastruktur in Sillian selbst analysiert. Auch mehrere Gemeinderäte verschiedener Fraktionen beteiligten sich an der Internet-Diskussion.
„Ich bin am 25. Dezember durch Sillian gefahren und habe mir gedacht: Mir reicht’s“, beschreibt Gardener seine Beweggründe. Er ist über die Flut an Rückmeldungen gar nicht einmal überrascht. „Jeder kennt das Problem, es wird nur totgeschwiegen.“
Umso mehr Worte machen dafür die Diskussionsteilnehmer im Internet. In Sillian sei mittlerweile alles zu, was nur zusperren kann, heißt es da: Geschäfte, Lokale, die Kegelbahn, und vor allem das Schwimmbad. Das Sillianer Hallenbad musste 2009 wegen baulicher Mängel geschlossen werden und sollte ursprünglich saniert und ausgebaut werden. 2012 beschloss der Gemeinderat mit knapper Mehrheit jedoch das Aus fürs Bad – aus Kostengründen. Dafür bringen viele Diskussionsteilnehmer kaum Verständnis auf. Ebenso ärgert etliche, dass der Thurntaler-Lift nicht ausgebaut und die Skischaukel Sillian-Sexten gar nicht gebaut wird. Im Großen und Ganzen laufe die Facebook-Debatte aber fair ab, meint Gardener. „Ich habe nur einige wenige Postings, die zu sehr ins Persönliche gingen, gelöscht.“
Gemeinderat Peter Leiter, der sich selbst mehrmals an der Diskussion beteiligt hat, sieht den Nutzen der Debatte zwiespältig. „Die Leute, die da Kritik üben, sollen sich lieber selbst stärker einbringen. Wir haben viele gute Konzepte in der Gemeinde, aber wenn es um die Umsetzung geht, sind diese Kritiker nie dabei.“ Auf viele Dinge habe die Gemeinde auch keinen Einfluss: „Wir können nichts dafür, dass die Kegelbahn zugesperrt hat.“
Bürgermeister Erwin Schiffmann kennt die Postings nicht, er sei kein Facebook-Mitglied, sagt er, und will die Kritik relativieren. Man müsse ja auch sehen, dass das Sillianer Skigebiet sehr gut besucht sei. Generell meint er: „Die Gemeinde kann nur Rahmenbedingungen schaffen. Sie kann nicht Gasthäuser betreiben oder Betten vermieten.“ Viele der kritisierten Zustände gebe es nicht nur in Sillian, meint der Bürgermeister und schließt: „Forderungen und Unzufriedenheiten sind heutzutage eine Modeerscheinung.“