Gesellschaft

Einscheller begleitet ein Düftchen

Von Erich Papp...

Von Erich Papp

Ehrwald – Kommenden Samstag, den 3. Jänner, wird unter der Zugspitze geschnöllt, gepeitscht, geklingelt, gejuchzt, gerumpelt und geschellt. Mit ohrenbetäubendem Lärm wird die Ehrwalder Fasnacht offiziell eröffnet, wie es seit 1922 der Brauch ist. Damals natürlich einfacher, nur mit „Schnöllern“. Die Unterdörfler peitschten unterhalb des Lähngrabens die Fasnacht ein, die Oberdörfler über dem Bach.

Ab 1952 wurde alles wesentlich „professioneller“, auf Initiative von Peppi Hohenegg, des legendären „Tarrenzer Peppi“, geschnitzte Masken aus Thaur und Imst eingeführt. Imster Schellen borgte sich Hugo Gstrein aus. Josef Kerber und August Walch vom Trachtenverein erledigten mit dem Motorrad Besorgungen jenseits des Fernpasses. Seit 1958 lenkt Urgestein und Original Viktor Hohenegg mit der ganzen Familie die Geschicke des Traditionsvereins.

Auch damals wurde von Wirtshaus zu Wirtshaus gezogen, wie heute noch die gesamte Gastronomie beehrt. Start ist um 18 Uhr beim Alpenrestaurant Zugspitze. Gegen Mitternacht sollte mit dem Musikcafé die 30. und letzte Station erreicht sein. Wie üblich gibt es in jedem Lokal ein Getränk – vom Wirt spendiert. Eine gewisse Trinkfestigkeit der Protagonisten ist gefragt. Die Vorgaben sind allerdings streng: Ein Schwips ist erlaubt, Betrunkene werden ausgeschlossen.

Das Ritual ist streng geregelt. Zuerst peitschen die Schnöller mit ihren „Goaßeln“ vor dem Wirtshaus, der Goaßbock fegt daraufhin mit den besenschwingenden Hexen durch die Gasträume. Danach hüpfen die Roller mit den kleinen Glöckchen im Einklang durch. Anschließend verschaffen sich die Scheller mit ihren gewaltigen Glocken lautstarken Respekt. Der Glockengurt des Oberschellers, des ranghöchsten Aktiven, wiegt bis zu 30 kg. Ein Unikum ist der streng duftende „Goaßbock“. Das Fell wird jedes Jahr geruchsmäßig aufgefrischt – es „übernachtet“ dafür extra im Geißstall.

21 junge Burschen, wie gewohnt alle aus dem Unterdorf, zählt heuer wieder das Schellerteam. Ein einziges Mal in der langen Geschichte durften zwei Schnöller 1965 aus dem Oberdorf mitmachen. „Das war ein einmaliger Ausrutscher“, schmunzelt Hohenegg noch heute.

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