20. Todestag von Pezzey

Als der Silvesterhimmel über Innsbruck Trauer trug

Ein Ästhet am Ball, ein Meister des Tacklings und als Kopfballspieler eine offensive Wucht: Bruno Pezzey.
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Am Silvestertag vor 20 Jahren endete das Leben des Weltklassefußballers Bruno Pezzey während eines Jux-Eishockey-Spiels. Er bleibt unvergessen.

Von Hubert Winklbauer

Innsbruck – Es war der Silvestertag 1994. Einer dieser Tage, die man nicht vergisst. Nie! Silvesterdienst in der Redaktion. Die Computer waren – bis auf einen für Notfälle – bereits ausgeschaltet, das Glas Wein schon in der Hand. Und längst jenes Gesicht aufgesetzt, mit dem man sich in den Büros silvestermäßig von Arbeitskollegen verabschiedet.

Dann diese unfassbare Meldung. Vage formuliert. So, dass sie noch einen Funken Hoffnung zuließ, dass eine Verkettung von Zufällen eine aberwitzige Fehlmeldung in Umlauf gebracht hatte. Diese Hoffnung verflüchtigte sich sukzessive. Auf dem Computer für die Notfälle sträubten sich die Buchstaben, das Unfassbare zu formulieren: Bruno Pezzey ist tot. Gestorben an einem Herzversagen. Zusammengebrochen bei einem Eishockey-Match mit Freunden. „Ich bin müde“, soll der erst 39-Jähige auf dem Weg zu den Bänken gesagt haben. Seine letzten Worte. Alle Wiederbelebungsversuche waren vergeblich. Lange Minuten getraute sich niemand, diese Sätze für die Druckerei freizugeben. Wenn er doch noch lebt? Wenn alles nur ein Irrtum war? Wenn die ärztliche Kunst doch noch ein Wunder vollbracht hat? Aber dann war es grausame Gewissheit.

Steckbrief von Bruno Pezzey

Bruno Pezzey wurde am 3. Februar 1955 in Lauterach, Vorarlberg, geboren.

Er spielte für den FC Vorarlberg, SSW Innsbruck, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen und den FC Tirol - für das ÖFB-Team bestritt er 84 Spiele.

Pezzey starb bei einem Jux-Eishockey-Spiel in Innsbruck am Silvestertag 1994 an Herzversagen.

Bruno Pezzey, der auf dem Spielfeld so furchterregend attackieren konnte, der die Grätsche konnte, der bei Fernseh­interviews mit zusammengezogenen, buschigen Augenbrauen respekteinflößend „rübergekommen“ ist, war im wirklichen Leben die personifizierte Fröhlichkeit, Nettigkeit. Trainer des U21-Nationalteams war er damals. Und das zu 100 Prozent. Einer der besten rotweißroten Kicker, die es je gegeben hat, ein Lehrmeister für die Jugend. Diese Rolle hat ihm getaugt. In dieser Rolle ist er aufgegangen. Ein Vorzeigemodell dafür, dass die Balance zwischen beruflichem Ehrgeiz und einer Lockerheit ohne Attitüden möglich ist.

Welchen Stellenwert er als Fußballer hatte, lässt sich an seinen Einberufungen in die FIFA-Weltauswahl und die Europaauswahl ermessen. Beckenbauer, mit Maradona, Platini, Keegan, Blochin, Paulo Rossi. Und gegen Zico, So­krates, Falcao.

Kein österreichischer Fußballer konnte da mit dem gebürtigen Vorarlberger auch nur annähernd mithalten: Kein Krankl, kein Prohaska, kein Hasil – nicht einmal Ernst Ocwirk, der 1953 sogar Kapitän der Weltauswahl war.

Gerne – und bescheiden – erzählte er die Geschichte von New York, als jeder von den Kickern der Weltauswahl im Hilton eine Suite bewohnen durfte. Bis auf Maradona. Der bekam einen ganzen Stock. „Der Diego war ein liebenswürdiger Typ.“ Also genau das, was alle Wegbegleiter des Bruno Pezzey – ob in Vorarlberg, bei SSW Innsbruck, bei Eintracht Frankfurt, mit der er 1980 UEFA-Cupsieger geworden war, bei Werder Bremen, dem FC Tirol und der rotweißroten Nationalmannschaft – von ihm gesagt haben. Er war „Held“ von Cordoba 1978. Da war er erst 23 Jahre alt. Von 1975 bis 1990 hat er, der „Beckenbauer aus Vorarlberg“, 84-mal fürs Nationalteam gespielt.

Sein viel zu früher Tod beraubte den österreichischen Fußball um eines seiner größten Idole und um einen Hoffnungsträger für die Zukunft. Die Erinnerung an Vorarlbergs erfolgreichsten Fußballer aller Zeiten lebt dank der Verleihung des „Bruno“ an die besten Fußballspieler weiter.

In den Erinnerungen all jener, die ihn kennen lernen durften, ist er ohnehin für immer der „wilde Vorarlberger Hund“ (wie Bremen-Coach Rehhagel sagte), der ein so liebenswürdiger Mensch war.

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