Brand auf griechischer Fähre - Italien ehrte mutigen Kapitän

Rom/Athen (APA) - Passagiere in Panik, todesmutige Retter und ein Kapitän, der als Letzter das manövrierunfähige Schiff verlässt: Argilio Gi...

Rom/Athen (APA) - Passagiere in Panik, todesmutige Retter und ein Kapitän, der als Letzter das manövrierunfähige Schiff verlässt: Argilio Giacomazzi, Kapitän der Adria-Fähre „Norman Atlantic“, hat die Ehre der italienischen Schiffsführer wiederhergestellt und wird in Italien wie ein Held gefeiert. Beim Unglück der „Costa Concordia“ im Jahr 2012 hatte Kapitän Francesco Schettino noch für Negativschlagzeilen gesorgt.

Im Gegensatz zu seinem wenig ruhmreichen Kollegen Schettino, der sein Kreuzfahrtschiff mit 4.229 Personen an Bord bei der Insel Giglio vor der Toskana an einen Felsen setzte, vor Gericht den Tod von 32 Passagieren zu verantworten hat und den Kreuzer mit noch mehreren Hunderten Passagieren an Bord vorzeitig verließ, hat der 62-jährige Giacomazzi die Rettungsaktion koordiniert, bis der letzte Passagier in Sicherheit gebracht worden war. „Es geht mir zwar nicht sehr gut, ich werde jedoch der Letzte sein, der das Schiff verlässt“, hatte der Seebär aus dem ligurischen La Spezia am Ende des 36 Stunden dauernden Rettungseinsatzes betont.

Nach seiner Rettung beruhigte er erst einmal seine Familie: „Ihr könnt entspannen, mir geht‘s gut. Es ist vorbei, ich komme nach Hause“, sagte er am Telefon. Seine Tochter Giulia äußerte sich überzeugt, dass ihr Vater sein Bestes gegeben hatte. „Er erfüllt seine Pflicht. Seit 40 Jahren fährt er zur See. Er hat die Erfahrung, um auch solch ein Drama zu meistern“, meinte sie.

Die Staatsanwaltschaften von Bari, Lecce und Brindisi haben Ermittlungen über mögliche Schuldige am Unglück aufgenommen. Sie betreffen auch Giacomazzi, der jedoch Rückendeckung vom Admiral der italienischen Marine, Giuseppe De Giorgi, erhielt. „Der Kapitän genießt meinen vollen Respekt, weil er mit größter Kompetenz und Würde seine Arbeit geleistet hat. Er hat als Letzter das Schiff verlassen, wie es ein Kapitän tun muss“, sagte De Giorgi.

Auch Massimo Federici, Bürgermeister von Giacomazzis Heimatstadt La Spezia, lobte den kahlköpfigen Kapitän mit dem ruhigen Lächeln, der auf eine 40-jährige Karriere auf See zurückblicken kann und der Pension nahe ist. Der Kapitän habe Italiens jahrhundertealte Seefahrt-Tradition hochgehalten. „Nach gewissen wohlbekannten Ereignissen hat Giacomazzi das Ansehen unseres Landes gerettet“, so der Bürgermeister. „Giacomazzis Leistung ist eine Ode über gut gemachte Arbeit. Wer Verantwortung hat, flüchtet nicht“, kommentierte die Tageszeitung „La Stampa“.