Landespolitik

Nachbarn setzen ihr Trinkwasser unter Strom

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Pians und Tobadill wollen gemeinsam ein Trinkwasserkraftwerk bauen. Die Verhandlungen waren schwierig – nun hat man sich geeinigt.

Von Matthias Reichle

Pians, Tobadill –Die Trinkwasserleitungen sind so alt, dass sie in eine Zeit zurückreichen, als es die Gemeinde Tobadill noch gar nicht gab – als sie noch ein Weiler des Nachbarn Pians war. 60 bis 70 Jahre haben die Rohre schon auf den Ventilen. Inzwischen „wasserlet“ es schon leicht entlang der Trasse, erklärt Bürgermeister Franz Kathrein. Höchste Zeit die Anlage, die beide Orte mit dem frischen Nass versorgt, zu tauschen.

Vor Jahren schon wurde die Idee geboren, im Zuge dieser Erneuerung gleich ein Trinkwasserkraftwerk mitzubauen. Nach zähen Verhandlungen zwischen den Gemeinden hat man sich vor wenigen Wochen im Wasserverband auf ein gemeinsames Projekt geeinigt, berichtet Kathrein, der gleichzeitig dessen Obmann ist.

Das Vorhaben soll noch heuer zur Genehmigung eingereicht werden. Es ist die kleinere von zwei Varianten, die von den Partnern diskutiert wurde, und soll statt zwei nur noch eine Million Euro kosten. Dafür aber auch weniger Strom produzieren. Ersten Schätzungen zufolge sind das 800.000 Kilowattstunden pro Jahr, erklärt der Tobadiller Dorfchef. Um dies zu ermöglichen, soll den Flathquellen künftig bis zu viermal so viel Wasser entnommen werden wie bisher. Nachdem das Wasser die Turbinen angetrieben hat, fließt es wie bisher in die Hochbehälter. Nur das überschüssige Nass wird später beim Krafthaus wieder ausgeleitet.

Einen Knackpunkt gibt es aber noch im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für das Projekt: die Gewässer­ökologie. Nach der Schneeschmelze müssen die Auswirkungen auf den Flathbach untersucht werden.

Man werde sich freiwillig auf die Entnahme von 40 Sekundenliter im Sommer beschränken, betont Kathrein. Die Errichtungskosten und die zu erwartenden Erlöse wollen sich beide Partner im Fall der Genehmigung zu jeweils 50 Prozent teilen. „Wir haben uns erst zusammenraufen müssen“, erinnert der Pianner Dorfchef Peter Rauch­egger daran, dass es nicht ganz einfach ist, wenn zwei Gemeinden zusammenarbeiten wollen. „Zwei Jahre herrschte Stillstand.“

Aus fachlicher Sicht sei die kurze Variante die wirtschaftlichere gewesen, erläutert er – obwohl Rauchegger persönlich das größere Projekt besser gefallen hätte. So erhofft man sich aber, dass das Kraftwerk in nur 13 bis 14 Jahren erste Gewinne abwirft.

Vor allem für die Gemeinde Tobadill würde das einen finanziellen Spielraum ermöglichen. Sie zählt zu den ärmsten des Bezirks.

„Wir haben so wenige Einnahmen, dass wir in den letzten Jahre kein ausgeglichenes Budget zusammengebracht haben“, so Kathrein. „So bekommen wir etwas Autonomie.“

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