Stichwort - Litauen wird das 19. Land der Eurozone
Vilnius (APA/Reuters) - Zum 1. Jänner 2015 wird Litauen das 19. Mitglied in der Eurozone. Damit zahlt nach Estland und Lettland künftig auch...
Vilnius (APA/Reuters) - Zum 1. Jänner 2015 wird Litauen das 19. Mitglied in der Eurozone. Damit zahlt nach Estland und Lettland künftig auch der dritte und letzte baltische Staat mit der europäischen Gemeinschaftswährung. Im Folgenden ein Überblick:
BEVÖLKERUNG
Litauen ist das südlichste und größte baltische Land und zählt rund drei Millionen Einwohner. Davon sind rund 84 Prozent Litauer, sechs Prozent Polen und etwa fünf Prozent Russen. Als erste Republik hat sich „Lietuva“ 1990 von der Sowjetunion unabhängig erklärt und ist seit Mai 2004 Mitglied der Europäischen Union.
KONJUNKTUR
In der Wirtschafts- und Finanzkrise ist das Bruttoinlandsprodukt 2009 um rund 15 Prozent eingebrochen. „Litauen hat sehr gelitten, dann aber harte Strukturreformen umgesetzt“, sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Das Land sei eine Art Musterschüler, weil es mit seinen Problemen sehr verantwortungsvoll umgegangen sei. Es kam zu Sparprogrammen, sinkenden Löhnen und Preisen. Seit 2011 holt die litauische Wirtschaft auf und wächst deutlich stärker als die gesamte Eurozone. Die EU-Kommission geht davon aus, dass Litauen 2014 um 2,7 Prozent wächst und im nächsten Jahr um 3,1 Prozent zulegt.
FINANZEN
Litauen hatte bereits 2007 an der Tür zur Eurozone geklopft. Der Aufnahmeantrag war damals aber gescheitert, weil das Land noch nicht alle Bedingungen für einen Beitritt erfüllte. Nun gelang dies locker - so manches Euro-Mitglied dürfte neidisch werden. Der Schuldenberg im Verhältnis zur Wirtschaftskraft liegt 2014 bis 2016 nach EU-Schätzungen stabil bei gut 41 Prozent. Dies ist weit unter der erlaubten Obergrenze von 60 Prozent. Zum Vergleich: Die Schuldenstandsquote von Deutschland liegt der EU-Kommission zufolge Ende 2016 noch immer bei knapp 70 Prozent, die Quote von Italien bei rund 133 Prozent. Auch beim Haushaltsdefizit bleibt Litauen demnach deutlich unter der Drei-Prozent-Grenze, während Frankreich und Spanien sie in den nächsten zwei Jahren noch überschreiten.
WIRTSCHAFT/AUSSENHANDEL
Als rohstoffarmes Land lebt Litauen vor allem von der verarbeitenden Industrie und vom Dienstleistungssektor. Wichtige Wirtschaftszweige sind Nahrungsmittel, Getränke, Tabak und das Baugewerbe. Größter Handelspartner ist mit Abstand Russland. Knapp 30 Prozent der Importe und rund 20 Prozent der Exporte werden mit dem Nachbarn abgewickelt.
CHANCEN/RISIKEN
Die Euro-Einführung dürfte für Wirtschaft und Investoren Kosten senken und die Planungssicherheit erhöhen. Zudem wird Litauen weiter von EU-Fördermitteln - etwa für den Ausbau der Infrastruktur - profitieren. Als wirtschaftliches und politisches Risiko gilt die große Abhängigkeit von Russland vor allem bei der Energieversorgung. Mit dem Bau eines Flüssiggashafens zusammen mit Estland und Lettland will Litauen sich aber etwas von den russischen Erdgasimporten lösen.
EURO/EZB
Wirtschaftlich wird Litauens Beitritt für die Eurozone kaum ins Gewicht fallen, weil das baltische Land so klein ist, wie DIW-Chef Fratzscher sagt. „Die Symbolwirkung ist deutlich größer und der Beitritt ein Vertrauensbeweis für den Euro.“ Dies zeige, dass die Gemeinschaftswährung trotz der Euro-Schuldenkrise „in vielen Ländern als Stabilitätsanker gilt“. Die politischen Folgen bekommt künftig auch die Bundesbank zu spüren. Erstmals wird man ab 2015 im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Ausübung des Stimmrechts rotieren. So wird Bundesbank-Präsident Jens Weidmann nicht mehr bei jeder Sitzung stimmberechtigt sein, sondern muss sich alle paar Monate bei den Abstimmungen über die Leitzinsen oder neue Krisenmaßnahmen mit einer Zuschauerrolle begnügen.
Die Liste der Euro-Länder ab dem 1. Jänner 2015:
~ Belgien Deutschland Estland Finnland Frankreich Griechenland Irland Italien Lettland Litauen Luxemburg Malta Niederlande Österreich Portugal Slowakei Slowenien Spanien Zypern ~