Brand auf Fähre - Kapitän fünf Stunden lang befragt
Brindisi (APA) - Nach dem Fährunglück in der Adria mit mindestens 13 Toten ist der Kapitän der „Norman Atlantic“, Argilio Giacomazzi, nach s...
Brindisi (APA) - Nach dem Fährunglück in der Adria mit mindestens 13 Toten ist der Kapitän der „Norman Atlantic“, Argilio Giacomazzi, nach seiner Ankunft im Hafen der süditalienischen Stadt Brindisi fünf Stunden lang einvernommen worden. Er beantwortete Fragen der Staatsanwälte über die möglichen Ursachen des Brandes. Dabei schilderte er alle Phasen des Unglücks und der Rettung, berichteten italienische Medien.
Gegen den italienischen Kapitän und den Eigentümer der Reederei Visemar, Betreiberin des Schiffes, Carlo Visentini, leitete die Staatsanwaltschaft in Italien Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Herbeiführens einer Havarie ein. Auch die Staatsanwaltschaft in Piräus in Griechenland ermittelt.
Der Eigentümer der Reederei beteuerte zuletzt, dass die Fähre erst am 19. Dezember einer Inspektion unterzogen worden war, bei der auch die Brandschutztüren überprüft wurden. Dabei sei eine „leichte Fehlfunktion“ aufgefallen, die aber „zur Zufriedenheit der Inspektoren“ behoben worden sei, versicherte Visentini. Die Autofähre „Norman Atlantic“, die zwischen Griechenland und Italien im Einsatz war, hatte Platz für 490 Passagiere, war also nicht überbucht. Visentini sagte seine Zusammenarbeit bei den Ermittlungen zu.
Nachdem am Dienstagabend das italienische Marineschiff „San Giorgio“ mit 214 Überlebenden des Brands an Bord im süditalienischen Brindisi eingetroffen war, erreichte am Mittwoch ein maltesischer Frachter mit 39 Schiffbrüchigen die apulische Hafenstadt Taranto. Wegen des schlechten Wetters in Süditalien war die Reise des Schiffes „Aby Jeannette“ länger als erwartet. An Bord befanden sich auch drei Verletzte.
Inzwischen sind italienische Schlepper im Einsatz, um die „Norman Atlantic“ zu stabilisieren und nach Brindisi zu bringen. Die Operation ist wegen des Wellengangs besonders problematisch. Zwei albanische Einsatzkräfte waren am Dienstag beim Abschleppversuch der Fähre ums Leben gekommen, als ein Tau riss. Die Behörden befürchteten unterdessen, dass weit mehr Menschen beim Brand in der Fähre ums Leben gekommen sein könnten. Die Suchaktion nach Vermissten wurde auch am Mittwoch fortgesetzt.