Ski-WM: „Mile High“ in Colorado - Marihuana als Genussmittel erlaubt

Vail (Colorado)/Beaver Creek (APA) - Die 13. Stufe des Kapitols von Denver liegt auf 1.600 m Seehöhe, weshalb die Hauptstadt Colorados auch ...

Vail (Colorado)/Beaver Creek (APA) - Die 13. Stufe des Kapitols von Denver liegt auf 1.600 m Seehöhe, weshalb die Hauptstadt Colorados auch „Mile High City“ genannt wird. Seit 2014 hat der „Höhenrausch“ in den Rocky Mountains eine zusätzliche Bedeutung. Denn als zweiter US-Bundesstaat hatte Colorado Marihuana auch als reines Genussmittel zugelassen. Sogenannte Pot-Shops schießen seitdem allerorts aus dem Boden.

Wer älter ist als 21, braucht nun kein medizinisches Rezept mehr, um sich mit Produkten der psychoaktiven Substanz einzudecken. Geraucht werden darf Marihuana aber nur im Privatbereich, punkto Autofahren ist der Konsum mit jenem von Alkohol gleichzusetzen. Bürger Colorados dürfen 28 Gramm besitzen, Gäste rund ein Viertel davon.

Die Hauptgründe für die bemerkenswerte Freizügigkeit sind natürlich die Millionen aus Steuereinnahmen. Der Umsatz des aus der Hanfsorte Cannabis gewonnenen Rauschmittels entwickelt sich gut. Die je nach Intensität und Anwendung beruhigend oder aufhellend wirkende Substanz THC wird aber nicht bloß als simple Rauchware angeboten. Die Verkaufslokale sind elegant und facettenreich wie Juwelier- oder Souvenirshops.

Offeriert wird dort allen, die sich ausweisen können, Marihuana in allen Formen und Dosierungen. Ob man es rauchen oder trinken, als Salbe auftragen oder sich mit Öl einreiben oder es im Tee, in Kekse und Kuchen konsumieren will: Alles steht fein säuberlich aufgereiht in den Regalen, wie ein Lokalaugenschein etwa in Aspen beweist.

Die Verkäufer geben gerne und ausführlich Ratschläge für den Gebrauch und warnen Anfänger ausdrücklich davor, ihrer Neugier zu sehr freien Lauf zu lassen. Im Internet liefert u.a. der „www.coloradopotguide.com“ Auskünfte.

Die erste Silvesternacht vor einem Jahr war in vielen Städten Colorados auch eine von Neugier getriebene Marihuana-Party. Mittlerweile ist der Joint oder die marihuanahältige Bierflasche auf Privatfeiern fast schon üblich. Auch das Marihuana-Merchandising ist längst voll angelaufen. T-Shirts mit entsprechenden Aufdrucken gibt es längst auch in den gewöhnlichen Souvenirläden Colorados. Kein Wunder, dass sich der „Centennial-State“ nun doppeldeutig auch als „State of higher mind“ deklariert hat.

Der nicht unumstrittenen Freizügigkeit droht allerdings in dem riesigen Land, in dem öffentliches Tabakrauchen seit Jahren verpönt und praktisch verschwunden ist, Gefahr. Seit November können Menschen nicht nur in Colorado, sondern auch in der US-Hauptstadt Washington D.C. sowie in Oregon und dem Staat Washington legal Marihuana kaufen. Es gibt aber starke Bemühungen, dem bald wieder einen Riegel vorzuschieben.

Der WM-Ort Vail hat sich bisher ohnehin erfolgreich gegen die Öffnung von Marihuana-Verkaufsläden gestemmt. Im Sommer wurde das temporäre Verbot verlängert. Obwohl Polizei-Untersuchungen ergeben haben, dass der öffentliche Rauchgenuss seit der Freigabe nicht signifikant zugenommen hat.