Verdammter Staudamm 2 - Streit, Missgunst und Intrigen
Tokio (APA/dpa) - Noch bis in die 1970er-Jahre sprachen sich 80 Prozent der Anrainer gegen den Damm aus. Sogar der Bürgermeister lehnte das ...
Tokio (APA/dpa) - Noch bis in die 1970er-Jahre sprachen sich 80 Prozent der Anrainer gegen den Damm aus. Sogar der Bürgermeister lehnte das Projekt ab. Der Staat bot den Bewohnern teils Millionen für ihre Grundstücke. Aber während die einen sich um den Verlust der Natur und um die Gemeinschaft sorgten, willigten immer mehr ein, umzuziehen.
Streit, Missgunst und Intrigen waren die Folge. In manchen Fällen hätten Politiker sogar die Yakuza, die Mafia, genutzt, um den Widerstand zu brechen, meint Anrainerin Watanabe. Allerdings verzögerten mehrere Probleme das Projekt immer weiter.
So fand man heraus, dass der Säuregrad des Flusses für den Beton zu hoch war, weswegen seit Mitte der 1960er-Jahre Unmengen Kalk zur Neutralisierung hineingekippt wurden. Dann, nachdem die Bewohner ihre Zustimmung längst gegeben hatten, erklärte die damalige Oppositionspartei DPJ, das ganze Projekt doch noch stoppen zu wollen. Die Partei gewann die Wahlen. Sobald sie jedoch 2009 an die Regierung kam, widerrief sie ihr Wahlversprechen. Inzwischen ist die Partei wieder in der Opposition verschwunden.
„All dies hat die Menschen über die Jahrzehnte hinweg zermürbt und die Gemeinschaft zerstört“, so Watanabe. Dreiviertel der ursprünglich rund 300 Familien sind inzwischen fortgezogen. Wer blieb, siedelte mit dem Geld des Staates auf neu erschlossene Grundstücke oberhalb des geplanten Sees um. Doch noch sind nicht alle Grundstücke fertig, mancher muss weiter warten.
Wann mit dem Bau des eigentlichen Staudamms mit einer geplanten Höhe von 116 Metern und 285 Metern Breite begonnen wird, steht noch immer nicht fest. Doch ein Zurück gibt es für die Menschen nicht mehr. Auf einstigen Reisfeldern stehen heute bereits Bagger. Unzählige Bäume wurden gerodet, um Platz für Umgehungsstraßen und riesige Betonplatten zu machen, die ein drohendes Abrutschen der Berghänge verhindern sollen. Auch eine neue Betonbrücke wurde gebaut. Eines Tages wird das Tal darunter in den Fluten des Agatsuma versinken und damit die Heimat der einstigen Bewohner.
Sobald der Damm errichtet sei, wolle man eine Anlage zur Stromerzeugung mit einer Jahresleistung von 41 Millionen Kilowatt pro Stunde bauen, berichtete der Beamte Kandatsu. Auch dies halten die wenigen noch übrig gebliebenen Gegner des Mammut-Projekts für Unsinn. Tatsächlich werde am Ende sogar weniger Strom produziert, da der Yamba anderen Anlagen Wasser abzweige. Japan ist inzwischen mit rund 3.000 Staudämmen überzogen.
Unterdessen wird im fernen Süden des Landes in der Provinz Kumamoto der Staudamm Arase Stück für Stück wieder abgerissen. Es ist das erste und bisher einzige Mal, dass ein Damm in Japan zurückgebaut wird. Die Gegner des Yamba-Damms hegen die Hoffnung, dass dies eines Tages Schule macht.