Wie das Leben so spielt
Von Markus Hauser...
Von Markus Hauser
Imst –Kevin, Jaqueline, Justin, Jessica oder auf gut Tirolerisch Käwin, Tschaklin, Tschastin und Tschessika stehen zumindest hierzulande für die Absurdität von Namensgebungen. Die aber natürlich auch überregional allgegenwärtig ist. Als Aufhänger für eine bissige Gesellschaftskomödie diente sie den französischen Autoren Mathieu Delaporte und Alexandre de la Patelliére für „Der Vorname“. 2010 geschrieben, entwickelte sich das Werk zu einem der meist gespielten Stücke Frankreichs und wurde 2012 verfilmt.
In der Regie von Christian Reiter hat das Theaterforum Humiste Imst das Stück aufs Programm gesetzt. Wenn sich zwei Ehepaare und ein Freund zum gemeinsamen Abendessen treffen, geht es natürlich um viel mehr als um die Erörterung von politisch korrekter Namensgebung. Sukzessive steigert sich das intellektuelle Geplänkel zu einem verbalen Schlagabtausch, der in körperlicher Gewalt endet. Dass wirkliche Typen, Charaktere aufeinandertreffen, verdeutlicht die subtile Personenführung von Reiter. Extrovertierter, zynischer Egozentiker trifft auf selbstverliebten Schöngeist, biedere, sich zur Furie entwickelnde Hausfrau begegnet erfolgsverwöhnter Geschäftsfrau. Und dem in sich gekehrten, stillen Genießer muss man auf’s Maul hauen, bis er sein Inneres nach außen kehrt.
Mit Maria Pamer, Sarah Plattner, Michael Flir, Mathias Wilhelm und David Grissemann gelingt die Individualisierung der Figuren auf beeindruckende Weise. Scharfer Witz, Hohn, ätzende Attacken – selbst die äußerste Demütigung kommt mit Souveränität daher. Die existenzialistische Heftigkeit wird letztlich durch ein Ende verhaltener Hoffnung gemildert und man weiß, das Spiel spielt, wie das Leben so spielt.
Weitere Vorstellungen: 2., 3., 9., 10., 16., 17., 23., 24., 30. und 31. Jänner, jeweils um 20 Uhr, Bühne Imst Mitte. Reservierung unter: 0664/6360646.