Musik

Am Lagerfeuer wird gerockt

Alle Jahre wieder: Christoph und Lollo spielen am 3. Jänner in der p.m.k und plaudern ein wenig.
© Pertramer

Vor zwanzig Jahren haben die beiden Musik-Kabarettisten Christoph & Lollo das Genre Skispringerlieder erfunden, ihre tragikomische Kunst wurde nun ausgezeichnet.

Von Silvana Resch

Innsbruck –Vier Einzelsiege im Gesamtweltcup, einmal Bronze bei den Olympischen Winterspielen im Team, einmal Silber bei der WM, ebenfalls im Team. An und für sich nicht schlecht, aber im ÖSV-Adler-erfolgsverwöhnten Österreich nicht weiter erwähnenswert. Der tschechische Skispringer František Jež hat es hierzulande dennoch zu einiger Berühmtheit gebracht – wenn auch nicht unbedingt in sportaffinen Kreisen: „Schenk František Jež doch ein Lebkuchenherz. Sei es aus Liebe oder sei es im Scherz“, sangen Christoph und Lollo vor nunmehr 20 Jahren so betörend in ihrer hinterfotzigen Jungschar-Ballade namens „Lebkuchenherz“, dass der Grundstein für eine bis heute währende Karriere gelegt war. Mit diesem Song wurden die beiden Wiener Liedermacher zu Begründern des Genres Skispringerlieder, deren einzige Vertreter sie bis heute sind. Zumeist tragische Helden werden da besungen, „Milchgesichter“, der „Kindheit beraubt“, vereinsamte Menschen, häufig mit Suchtproblemen („Mika, du Saufkopf, hast du wieder verloren?“) oder bereits Verstorbene („Der Tag, an dem Ruud Birger starb“).

Mit Kazuyoshi Funaki kam endlich ein strahlender Held, so strahlend, dass diese musikalische Lobeshymne einer japanischen Nachrichtenagentur sogar eine Meldung wert war. Das war es dann aber auch schon mit den Reaktionen. „Von den Protagonisten unserer Lieder haben wir nie etwas gehört“, erzählt Christoph Drexler. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Schulfreund und Nachbarn Lollo Pichler aus Wien-Favoriten hat er den offen zur Schau getragenen Dilettantismus des Duos zur Perfektion gebracht. Das Repertoire wurde nach insgesamt drei Skispringerlieder-CDs um kritisch-humorige Alltagsbeobachtungen erweitert, aber auch politische Themen werden angepackt. Die Frage, wann Ex-Minister Karl Heinz Grasser (2009) endlich ins Gefängnis müsse, hat es in Form eines Wienerliedes auf YouTube zu über einer halben Million Klicks gebracht. Und mit ihren Wahlkampfhymnen haben Christoph und Lollo die Nationalratswahl 2013 aufgemischt. Für ihre charmant-unbeholfene Spaßmacherei bekommen die beiden im Mai dieses Jahres zudem den Kabarett-Preis „Salzburger Stier“ überreicht.

Das Bandjubiläum fühle sich dennoch irgendwie „eigenartig“ an, sagt Drexler. Zur Feier haben Christoph und Lollo im Oktober – als „Lebkuchenherz“ vor 20 Jahren das erste Mal in der FM4-Sendung „Salon Helga“ gespielt wurde – den Wiener Stadtsaal reserviert. Einen genauen Plan für den Abend gebe es aber noch nicht, „irgendwas Besonderes soll es schon sein, aber wir können halt nicht viel mehr als Lieder singen“. Understatement ist wie Humor, bei dem einem manches Mal das Lachen im Hals stecken bleibt, ein Markenzeichen der beiden. Von ihrer Profession können die Wiener indes gut leben. „12 Karten im Vorverkauf“, werden da nur im Lied „Das ist Rock’n’Roll“ vom aktuellen gleichnamigen Album beklagt. Und sogar am Lagerfeuer sind ihre Songs echte Hits. „Pfadfinder spielen unsere Lieder und schicken uns manchmal auch Aufnahmen.“

Alljährlich machen Christoph und Lollo auf ihrer Tour am 3. Jänner Station in Innsbruck – gewissermaßen als inoffizielles Rahmenprogramm der Vierschanzentournee. Früher wurde noch im Bier­stindl, am Fuße des Bergisels, aufgespielt, seit der Kulturbetrieb dort 2010 eingestellt werden musste, wird, so wie heute Abend, in die p.m.k gebeten. Erstmals engagiert wurden die Liedermacher von ihren Entdeckern und Förderern, dem Satirikerduo Grissemann und Stermann. Da waren sie noch als Pausenfüller gebucht, der erste „richtige Auftritt“ folgte dann im Bierstindl als Vorgruppe der Band BDF. Seitdem bezeichnen Christoph und Lollo Innsbruck als ihre „musikalische Heimat“. Hier mischte sich einmal auch das norwegische Skisprungteam samt Trainer Mika Kojonkoski unters Publikum: „Kojonkoski ist so groß, den konnten wir von der Bühne aus gut sehen. Toni Innauer hat ihm ins Ohr geflüstert, um was es in den Liedtexten geht, und er hat immer wieder gelacht.“

Wer weiß, wer sich heute in der p.m.k. ins Publikum mischt. Schließlich gilt es ein Jubiläum zu feiern.