Schriftsteller protokollieren die Politiker im Schweizer Parlament
Bern (APA/sda) - Wenn unter der Kuppel des Schweizer Bundeshauses die Parlamentarier sprechen, halten Menschen mit flinken Fingern die Wortm...
Bern (APA/sda) - Wenn unter der Kuppel des Schweizer Bundeshauses die Parlamentarier sprechen, halten Menschen mit flinken Fingern die Wortmeldungen fürs Amtliche Bulletin fest. Unter den rund 40 Protokollanten findet sich auch eine Handvoll Schriftsteller. Unter ihnen ist zum Beispiel die Dichterin Vera Schindler-Wunderlich, Trägerin des Schweizer Literaturpreises 2014.
Und seit bereits 15 Jahren hängt Isabel Morf Sitzung für Sitzung an den Lippen der Politiker, um deren Prosa festzuhalten. Und nebenher hat sie vor kurzem ihren vierten Krimi „Jahrhundertschnee“ publiziert. Zu den Autoren von Kinderbüchern, Romanen, Erzählungen, Gedichten und Krimis gehören auch Christoph Badertscher, Therese Bichsel und Isabelle Flükiger. Der Radio- und Theaterautor Charles Lombard wurde im September pensioniert.
Noch nie war die Zahl der Schriftsteller in den Reihen der Protokollführenden so hoch. Sie arbeiten maximal 50 Prozent. Angesichts des unregelmäßigen Arbeitsrhythmus sei es für sie schwierig, die Arbeit im Parlament mit einem anderen, fixen Teilzeitjob unter einen Hut zu bringen, erklärt Francois Comment, Leiter des Amtlichen Bulletins, der sda. Ein freier Beruf wie der des Buchautors kommt da gelegen. „Manche nehmen in ihren literarischen Werken Bezug auf Erlebtes im und aus dem Parlament“, erklärt Comment.
Nicht zuletzt kommt es in ihrem Brotberuf auf Schnelligkeit an, sind doch jährlich 15.000 Seiten aus Ratsdebatten und ebenso vielen aus Kommissionssitzungen zu erstellen. „Und wenn alles gut geht, sind die Protokolle eine Stunde nach der Wortmeldung online“, sagt Comment: „Wir sind eines der schnellsten Parlamente der Welt.“