Gesellschaft

Doctor Bernardo gibt Hoffnung

Bernhard Spechtenhauser (Bild oben) ermöglicht mit seiner Aktion Schulbesuch, Essen und mindert das Elend der meist drogensüchtigen Straßenkinder, die unter Brücken dahinvegetieren.
© Brillos

Der Kufsteiner Primar Bernhard Spechtenhauser und sein Verein helfen seit Jahren den bitterarmen Menschen in Bolivien. Neuestes Projekt: Eine Schule soll Kindern eine bessere Ausbildung ermöglichen.

Von Wolfgang Otter

Kufstein –Es war eine glückliche Fügung für mittlerweile Hunderte Kinder und Patienten, dass vor rund 14 Jahren der Kufsteiner Primar Bernhard Spechtenhauser nach Bolivien reiste. Spechtenhauser wollte dort das soziale und medizinische System des südamerikanischen Staates kennenlernen. Was er dann jedoch in einem Krankenhaus zu sehen bekam, verschlug ihm die Sprache: Es waren für westliche Verhältnisse katastrophale Zustände.

Bolivien ist ein bitterarmes Land. Mehr als die Hälfte der Menschen müssen jeden Tag hungern, Kinder leben auf der Straße und sind drogenabhängig, Schul- und Berufsausbildung sind nicht finanzierbar, genauso wenig die Krankenversorgung. „Bei Familienbesuchen bin ich immer wieder mit der brutalen Realität konfrontiert! In einem Blechverlies wohnen neben Enten, Schweinen und Hühnern insgesamt zwölf Menschen, zusammengepfercht wie auf einer Müllhalde, der Geruch nicht anders als dort … menschenunwürdig“, schildert Spechtenhauser seine Erfahrungen. Im Eindruck dieser Armut gründete der Kufsteiner Primar seine Hilfsaktion. Was er nicht ahnte, war, dass er eine unglaublich große Welle der Hilfsbereitschaft auslösen würde.

Mittlerweile ist das Projekt „Brillos“ über die Grenzen Tirols hinaus bekannt. „Brillos“ steht für „Glänzer“ und bedeutet Schuhputzer. Meist sind es Kinder, die so im südamerikanischen Land ihren kargen Lebensunterhalt verdienen.

Einmal im Jahr reist der Kufsteiner Mediziner nach Bolivien, um sich vom richtigen Einsatz der Mittel zu überzeugen. Als Verantwortlicher im Land steht ihm die gebürtige Deutsche Sr. Gundeline zur Seite, die vor Ort diese Aktionen koordiniert. Spechtenhauser hat dabei alles andere als einen Erholungsurlaub, mittlerweile agieren „Doctor Bernardo“ und seine Helfer nämlich in mehreren Orten. In Cochamba, Santa Cruz und Comarapa entstanden Kindertagesstätten, eine Frauenfachschule, wurden Häuser für Straßenkinder gebaut, Essensausgabe für Kinder und Mütter ermöglicht und noch vieles mehr.

Und es sind viele persönliche Schicksale, die Spechtenhauser bei jedem Aufenthalt erschüttern und zur Hilfe motivieren. So wie das Schicksal von sieben Waisenkindern in Santa Cruz, die anstelle einer baufälligen Holzbaracke ein kleines Häuschen erhielten, außerdem wird über „Brillos“ für die großteils minderjährigen Kinder gesorgt.

Vor Kurzem opferte Spechtenhauser wieder drei Wochen seines Urlaubs und kam mit neuen Eindrücken und Ideen zurück. Diesmal flog er nach Bolivien, nicht nur um die diversen Sozialprojekte im mehreren Städten aufzusuchen, sondern auch wie jedes Jahr im OP auszuhelfen. Wobei er heuer auch eine Lehraufgabe hatte. Eine private Spenderin ermöglichte den Kauf eines Laparoskopiegeräts für die Knopflochchirurgie für das Krankenhaus in Santa Cruz. Dazu wurden zuvor zwei bolivianische Ärzte im Sommer im Krankenhaus Kufstein eingeschult.

Eine der Hauptideen von „Brillos“ ist, den Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen, um sie von der Straße wegzubringen. „Mein großes neues Wunschprojekt ist der Bau einer Schule in der Peripherie von Santa Cruz, um ca. 2000 Kindern die Möglichkeit einer Ausbildung bis zur Matura und somit eine Zukunft zu bieten“, erzählt Spechtenhauser. Um die gewaltige Aufgabe zu meistern, hat er einen Verein gegründet und sie so auf mehrere ehrenamtliche Schultern, von Gerlinde Schernthaner, Peter Seiringer und Marco Vinciguerra, verteilt.

Warum er sich das alles neben seinem anstrengenden Beruf im Krankenhaus antut? „Es gibt trotz der Niederlagen und der oft unglaublichen Aussichtslosigkeit des großen Elends viele dankbare Momente, viele erfreuliche Erlebnisse und eine wohltuende Genugtuung.“ Und es gebe das Leuchten der Augen und tiefe Dankbarkeit, „die mir die Menschen entgegenbringen“, sagt der Mediziner.

Spendenkonto bei der Sparkasse Kufstein „Brillos“ : IBAN: AT882050607700001717 BIC: SPKUAT2. Infos im Internet www.brillos.net.

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