Brand auf Fähre - Geretteter 2: „Menschen sind neben mir gestorben“
Salzburg/Seekirchen/Athen (APA) - Zwei Tage lang hatten die Menschen an Bord der „Norman Atlantic“ nichts zu essen. Erst nach 36 Stunden gab...
Salzburg/Seekirchen/Athen (APA) - Zwei Tage lang hatten die Menschen an Bord der „Norman Atlantic“ nichts zu essen. Erst nach 36 Stunden gab es zum ersten Mal Trinkwasser, nachdem ein Hubschrauber ein Netz mit Plastikflaschen abgeworfen hatte. 16 Stunden nach Brandausbruch gelang es Schrümpf, einmal eine halbe Stunde auf einer Rettungsweste zu schlafen.
Wirklich um sein Leben gebangt, habe er an Bord der Fähre nicht. „Es wird einem ohnehin jede Entscheidungsgewalt aus der Hand genommen, man kann eigentlich nur warten, was passiert.“ Es gehe im derzeit relativ gut. „Ich bin im Moment entspannt und der Sache körperlich und seelisch gewachsen. Aber vielleicht holt mich das Erlebte noch ein. Es ist problematisch, wenn man jetzt die Bilder vom Schiff sieht. Da kommen die Bilder der ersten Toten.“
Die schlimmste Erinnerung: „Fünf bis sechs Stunden nach Brandausbruch schwenkte eine Rettungskoje aus, da wollte noch einer hinein. Er ist hinübergesprungen, abgerutscht und ohne Schwimmweste irgendwo im schwarzen Wasser verschwunden. Da ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass es um Leben und Tod geht.“ Insgesamt sieben Tote habe er am Schiff gesehen. Vier Menschen sprangen mit Rettungswesten ins Wasser, als sie kleinere Boote die „Norman Atlantic“ umkreisen sahen. „Bei zehn Meter hohen Wellen ist aber das kleine Lämpchen auf der Schwimmweste nicht auszumachen. Menschen sind unmittelbar neben mir gestorben, das waren die schrecklichsten Momente.“ In einem Maschinenraum, in dem er kurz Schutz vor dem Wetter suchte, seien zwei Männer neben ihm an den Rauschschwaden erstickt. „Ich war selbst schon zu kraftlos, um sie ins Freie zu ziehen.“
Schrümpf sprach von einer Rettung „eine Minute vor Zwölf“: „Das Schiff stand bis zum Schluss in Vollbrand, immer wieder schlugen irgendwo neue Flammen heraus. Der Boden des obersten Decks war so heiß, dass man mit den Schuhsohlen am Boden picken geblieben ist. Drei bis vier Stunden später und wir hätten wohl keine Chance mehr gehabt.“
Er selbst wurde mit dem letzten Hubschrauber zwischen 15.00 und 16.00 Uhr geborgen. „Nach mir kamen nur noch zwei Hunde, zwei Feuerwehrmänner, der Kapitän, und die drei Soldaten vom Hubschrauber.“ Gemeinsam mit den meisten Mitreisenden wurde Schrümpf auf das italienische Marineschiff „San Giorgio“ gerettet. Dort gab es Decken, Isomatten am Boden, Essen. „Die haben sich vorbildlich um uns bemüht“, lobte der Salzburger die italienische Marine.
Viel geschlafen habe er seit seiner Rückkehr noch nicht. „Da ist wohl noch zu viel Adrenalin da“. Er werde trotz der Erlebnisse an Bord der „Norman Atlantic“ auch in Zukunft wieder mit der Fähre nach Griechenland fahren, sagte Schrümpf. „Auch wenn unser Bus der Griechenlandhilfe verbrannt ist, wir machen auf jeden Fall weiter.“ Bereits Anfang Februar ist die nächst Lieferung mit Hilfsgütern für Kinder und Krankenhäuser geplant.