Kunst

Die Kurven von Hängen und Hintern

Sonnenbadende, von Walde um 1940 fotografiert.
© Alfons Walde, Bildrecht Wien

Die „SchauLust“ Alfons Waldes beschränkte sich keineswegs nur auf den Kitzbüheler Schnee. Jetzt sind seine erotischen Fotografien zu sehen.

Von Ivona Jelcic

Wien –Es gibt ein Bild von Alfons Walde, das die zwei Leidenschaften seines Schöpfers anschaulich zusammenführt: Es zeigt einen einsamen Skifahrer vor schneebedeckter Bergkulisse, die sich bei näherer Betrachtung als Ansammlung ineinander verschlungener, nackter Frauenkörper entpuppt. Alfons Walde und seine – durchaus auch pornografische – „SchauLust“ zeigt die Wiener Fotogalerie Westlicht in ihrer gleichnamigen Ausstellung. Der Enkel des Künstlers Michael Walde-Berger öffnete dafür das fotografische Archiv des Künstlers, den man gemeinhin eher mit pittoresken Kitzbühel-Ansichten, mit Schneelandschaften, Wintersport- und Bauernszenen in Verbindung bringt.

Alfons Walde (1891 bis 1958) ist ein Phänomen – auch auf dem Kunstmarkt, wo seine Landschaften als mehrere 100.000 Euro teure Bestseller gelten. Phänomenal war auch Waldes schon zu Lebzeiten überaus erfolgreich betriebene Selbstvermarktungs-Strategie mit eigenem Kunstverlag, über den er Reproduktionen seiner Werke verkaufte. Und kaum weniger phänomenal dürfte man in seiner Heimat Kitzbühel auch heute noch Waldes imagebildende Maßnahmen für den Wintersportort finden, für den er nicht zuletzt auch das Logo entworfen hat.

Dass den Künstler nackte Hintern kaum weniger als schneebedeckte Hänge inte­ressiert haben, war freilich nicht gänzlich unbekannt. Auch als Maler hat Walde zahlreiche Akte hinterlassen, einige Akt-Fotografien waren 2006 in der Walde-Retrospektive im Leo­pold Museum zu sehen und auch selbst hielt der Künstler einst mit dieser Facette seines Schaffens nicht hinterm Berg: 1921 stellte er in der Innsbrucker Kunsthandlung Unterberger auch seine Nackten aus – und soll damit Reaktionen geerntet haben. Es dürfte aber eher der boomende Wintertourismus gewesen sein, der Waldes Fokus danach auf seine bis heute bekannten Schnee- und Wintersport-Motive lenkte.

Die Fotografie, speziell die Aktfotografie, blieb freilich mindestens private Leidenschaft: Die Freikörperkultur-Bewegung der 1920er-Jahre war in Waldes Berghaus am Hahnenkamm offensichtlich hochwillkommen, Modell standen dem Künstler, der ab den 1930er-Jahren auch zum gerade erfundenen Agfa-Farbfilm griff, nicht nur seine drei Ehefrauen, sondern auch Bauernmädchen aus der Kitzbüheler Umgebung.

Mit rund 120 Arbeiten, ausgewählt von den Kuratoren Rebekka Reuter und Peter Weiermair, wird bei Westlicht jetzt die bisher wohl umfassendste Präsentation von Waldes erotischen Fotografien gezeigt. Sorgfältige Inszenierungen der Damen mit Skiern und Stöckelschuhen, Posen in kunsthistorischer Tradition sind da in Vintage-Prints und neuen Abzügen, aber auch auf einigen Kontaktbögen zu sehen. Dazu auch Humorvolles, etwa wenn Walde sich mit roter Wollmütze und he­runtergelassenen Hosen selbst im Schnee porträtiert, und Pornografisches, das im Separée im Halbstock präsentiert wird.

Dass Waldes fotografische Körperstudien unbedingt auch als Vorstudien für seine Malerei gelesen werden dürfen, zeigt außerdem eine Reihe von Skizzen und Zeichnungen. Der von Westlicht-Inhaber Peter Coeln herausgegebene Katalog ist im Haymon Verlag erschienen. Bis 8. Februar.