Film und TV

Graf Jolly hat noch einen Joker

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Im neuen Austro-Tatort bekommen es Krassnitzer und Neuhauser mit dem iranischen Atomprogramm und heimischen Lobbyisten zu tun: Sonntag, 20.15 Uhr.

Innsbruck –Oft ist dem viel beschäftigten Kommissar Moritz Eisner der Rückzug in die eigenen vier Wände ja nicht vergönnt. Und wenn dann doch einmal, muss er sich mit fehlenden Ikea-Schrauben herumärgern. Aber wenigstens gewährt die schicke Fensterfront einen Blick aufs Wiener Riesenrad. Ist das nun als Hinweis auf schöner Wohnen oder als das Gegenteil zu verstehen, fragt man sich vom fernen Tirol aus? Und wie viel verdient so ein Mordermittler eigentlich? Jetzt aber nur nicht ablenken lassen, der Plot des neuen Österreich-Tatort (Sonntag, 20.15 Uhr in ORF 2) ist auch so schon kompliziert genug. Denn Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) werden von Drehbuch-Autor Max Gruber auf internationales Politik- und Geheimdienst-Parkett geschickt. Das klingt zunächst recht verwegen – aber auch an anderen Tatorten hatten es die Kommissare, weil ein einfacher Mord längst nicht mehr reicht, zuletzt gerne mit der großen bösen Welt zu tun.

Selbige endet in „Deckname Kidon“ (Regie: Thomas Roth) für einen hochrangigen iranischen Diplomaten unschön: Er stürzt aus dem Fenster seines Wiener Hotelzimmers. Und Eisner/Fellner schlittern in einen Mordfall, in dem die Hintermänner des iranischen Atomprogramms sowie der israelische Mossad auch noch ein Wörtchen mitzureden haben.

Was nur scheinbar die Gefahr birgt, dass die österreichischen Ermittler zu Statisten verkommen. Denn das weltpolitische Getöse bildet bestenfalls den Hintergrund für ein bissiges Porträt österreichischer Verhältnisse und ebensolcher Lösungen: Udo Samel erfreut als aalglatter niederösterreichischer Waffen-Lobbyist und Graf Johannes Leopold Trachtenfels-Lissé, für den zweifellos ein reales Vorbild Pate stand. „Graf Jolly“ jedenfalls verfügt neben einem feudalen Adelssitz, besten Verbindungen in die Politik und anhängigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auch über ein bemerkenswertes Maß an Offenheit: „Wir haben das Geld, wir haben die Beziehungen und wir scheißen uns nix“, lässt er den Kommissar wissen. Da kann man den Ärger des ewig grantelnden Eisner ausnahmsweise auch einmal nachvollziehen. (jel)