Verbandschef: Deutsche Luftfahrtbranche wird „politisch gebremst“

Saarbrücken (APA/AFP/dpa) - Die deutsche Luftverkehrswirtschaft fühlt sich nach den Worten ihres Verbandspräsidenten Klaus-Peter Siegloch „p...

Saarbrücken (APA/AFP/dpa) - Die deutsche Luftverkehrswirtschaft fühlt sich nach den Worten ihres Verbandspräsidenten Klaus-Peter Siegloch „politisch gebremst“. Die Luftfahrtbranche wachse nicht in dem Maße wie der globale Luftverkehr, die Gewinnmarge liege in Deutschland lediglich bei 1,1 Prozent, beklagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in der „Saarbrücker Zeitung“ vom Freitag.

„In Europa, aber auch in Deutschland wird der Luftverkehr politisch gebremst.“ Siegloch forderte die Regierung in Berlin auf, in diesem Jahr die Luftverkehrssteuer abzuschaffen. Zudem müssten die bestehenden Betriebszeiten der Flughäfen garantiert werden. „Wir wollen keine Ausweitung, aber wir wollen, dass die Nachtflugmöglichkeiten da, wo es sie gibt, erhalten bleiben“, sagte der Verbandspräsident.

Die deutsche Luftverkehrssteuer gilt seit Anfang 2011. Sie beträgt je nach Entfernung einschließlich Mehrwertsteuer 8,93 bis 50,19 Euro je Flugticket. Die Abgabe soll jährlich insgesamt eine Milliarde Euro pro Jahr bringen, zahlen müssen die Fluggesellschaften.

„Die große Koalition muss mindestens das umsetzen, was sie im Koalitionsvertrag versprochen hat, nämlich dass sie die Wettbewerbssituation für die deutschen Fluggesellschaften verbessert“, mahnte Siegloch. Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) habe zugesagt, dass es bis zum Sommer eine umfassende Markt- und Wettbewerbsanalyse der Luftfahrt geben werde und daraus politische Konsequenzen gezogen würden. „Dann reden wir über Fakten“, sagte Siegloch.

Zusätzliche Belastungen etwa aus einer Einbeziehung der europäischen Luftfahrt in den Handel mit Emissionszertifikaten dürfe es nicht geben. Stattdessen sei ein ausgewogener, „weltweiter Klimaschutzbeitrag“ der Branche nötig.

Global gesehen kann die Luftverkehrsindustrie nach Einschätzung des internationalen Airline-Verbands IATA mit weiterem kräftigen Wachstum rechnen. Er erwartet, dass die Gewinne der Fluggesellschaften 2015 um mehr als ein Viertel auf 25 Mrd. US-Dollar (20,6 Mrd. Euro) steigen dürften. Insbesondere größere europäische Airlines tun sich aber schwer mit Konkurrenz aus dem Nahen Osten und Billiganbietern. So hat etwa das Lufthansa-Management ein umstrittenes Umbauprogramm aufgelegt. Die deutsche Nummer zwei Air Berlin, Muttergesellschaft der österreichischen Fluglinie Niki, musste zuletzt einen Rekordverlust von mindestens 350 Mio. Euro verkraften.